Disketten schreddern – Muss das sein?
Warum physische Vernichtung oft unnötig ist, Schredder ruiniert und die Umwelt belastet.
Sie suchen einen Dienstleister, der Ihre Disketten schreddert? Bevor Sie das tun, lesen Sie, warum eine sorgfältige Aufbereitung oft eine sinnvolle Alternative ist – nachhaltiger, günstiger – und Ihren Aktenvernichter nicht ruiniert.
Warum Schreddern eine schlechte Idee ist
Auf den ersten Blick klingt Schreddern nach der sichersten Lösung: Was in tausend Stücke zerkleinert wurde, kann niemand mehr lesen. Die Realität sieht anders aus:
Der "Dreck"-Faktor: Schreddern von Disketten ist eine Sauerei. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Kunststoffsplittern, Metallfedern, Magnetscheibenresten und Staub. Diese Mischung lässt sich nicht recyceln – sie landet in der Verbrennung. Pro Diskette entstehen ca. 20g Sondermüll.
Das Schredder-Problem: Die Metallfeder und der Metallverschluss (Shutter) jeder Diskette können Schneidwerke blockieren, verbiegen oder durch Funkenflug beschädigen. Wir hören regelmäßig von Kunden, deren Aktenvernichter an Disketten kaputtgegangen ist.
ZIP-Disketten als Super-GAU: ZIP-Disketten haben ein komplettes Metallgehäuse im Inneren. Ein normaler Aktenvernichter kann daran ernsthafte Schäden nehmen oder sogar Feuer fangen.
🔬 Der Sicherheits-Mythos
Überraschung: Ein Schredder-Schnipsel kann unter dem Mikroskop theoretisch noch magnetische Muster zeigen. Forensische Labore können aus größeren Schnipseln Daten rekonstruieren. Eine vollständig entmagnetisierte Scheibe hingegen ist physikalisch leer – keine Analyse der Welt kann Daten wiederherstellen, die nicht mehr da sind.
Schreddern vs. Löschen: Der ehrliche Vergleich
Sicherheit:
• Schreddern: Schnipsel können bei groben Schnitten rekonstruierbar sein (DIN 66399 Level P-3 reicht nicht immer)
• Löschen (mehrstufig): Formatierung und ggf. mehrfaches Überschreiben – für handelsübliche Recovery-Software in der Regel nicht mehr auswertbar
Umwelt:
• Schreddern: Misch-Schnipsel nicht recycelbar → Verbrennung → CO₂
• Löschen: Diskette bleibt intakt → Materialien trennbar → Recycling oder Wiederverwendung
Kosten:
• Schreddern: 50-150 € Grundgebühr + Preis pro kg bei professionellen Dienstleistern
• Annahme & Aufbereitung bei uns: 0,00 € ab einer beliebigen Menge
Ihre Hardware:
• Schreddern: Risiko für Ihren Aktenvernichter (Metallteile, Blockaden, Funkenflug)
• Löschen: Kein Risiko – Sie senden uns die Disketten, wir erledigen den Rest
Ein mehrstufiges Löschverfahren als Referenz
Ein besonders gründliches Vorgehen gegen Datenwiederherstellung kann so aussehen:
Phase 1 – Formatierung: Dateisystemstrukturen werden neu angelegt.
Phase 2 – Bitmuster-Überschreibung: Sektoren werden mit wechselnden Bitmustern überschrieben.
Phase 3 – Zufallsdaten: Zufallswerte überschreiben den Datenbereich erneut.
Phase 4 – Verifikation: Sektoren werden zurückgelesen und geprüft.
Phase 5 – Stress-Test: Mehrfaches Lesen simuliert Langzeiteinsatz.
Phase 6 – Protokollierung: Das Ergebnis wird dokumentiert.
Hinweis: Dies beschreibt ein etabliertes Referenzverfahren. Bei der kostenlosen Überlassung wird je nach Art des Mediums geprüft und aufbereitet (z. B. formatiert oder überschrieben); das genaue Verfahren befindet sich technisch in der Weiterentwicklung und wird nicht pauschal in diesem vollen Umfang zugesichert. Original-Datenträger bleiben nach Eigentumsübertragung im Originalzustand erhalten. Eine gesondert dokumentierte Datenlöschung mit Löschprotokoll ist als kostenpflichtige Zusatzleistung buchbar (2,49 €/Diskette, mind. 10 Stück = 24,90 €).
Wann ist Schreddern wirklich nötig?
In seltenen Fällen ist physische Vernichtung tatsächlich vorgeschrieben:
VS-Einstufung (Verschlusssachen): Behörden mit VS-NfD oder höherer Einstufung haben eigene Vorschriften, die manchmal physische Vernichtung vorschreiben.
Militär und Geheimdienste: Hier gelten Sonderregeln, die über DSGVO hinausgehen.
Defekte Disketten: Wenn eine Diskette nicht mehr gelesen werden kann, kann sie auch nicht sicher gelöscht werden. In diesem Fall bleibt nur die physische Vernichtung als Option; wir schließen solche Disketten aus der Wiederverwendung aus und führen sie der fachgerechten Verwertung zu.
Für normale Unternehmen und Privatpersonen: Die DSGVO verlangt, dass Daten "nicht mehr wiederherstellbar" sind. Sie schreibt keine bestimmte Methode vor. Eine geeignete Löschung bzw. Aufbereitung kann diese Anforderung erfüllen; eine gesondert dokumentierte Datenlöschung mit Löschprotokoll ist als kostenpflichtige Zusatzleistung buchbar.
Der Umwelt-Aspekt
Schreddern vernichtet nicht nur Daten, sondern auch Ressourcen:
• Kunststoffe, Metalle und Magnetmaterial werden zu Misch-Schnipseln vermischt
• Diese Mischung ist nicht recycelbar – sie landet in der Verbrennung
• Pro Diskette: ca. 50g CO₂ durch Verbrennung statt Recycling
• Funktionierende Disketten, die die Community noch nutzen könnte, werden zerstört
Unser Ansatz: Datenträger prüfen und aufbereiten, funktionierende Disketten an Retro-Computing und Musiker weitergeben, defekte Disketten sauber in ihre Bestandteile trennen und recyceln.