Disketten in der Schifffahrt

In einigen älteren maritimen Systemkonfigurationen werden Disketten bis 2025 als Speichermedien ohne Netzverbindung genutzt – von Navigationssystemen bis zur Maschinenraum-Automation.

Ein prominentes Beispiel: Die Brandenburg-Klasse (F123) Fregatten der Deutschen Marine nutzten bis Juli 2024 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme. Die Lebensdauer von Schiffen beträgt 25-30 Jahre – in dieser Zeit bleiben etablierte Systeme oft unverändert im Betrieb. Die SOLAS-Konvention der IMO regelt Sicherheitsstandards, aber Änderungen an zertifizierten Systemen erfordern aufwändige Abnahmen und Tests durch Klassifikationsgesellschaften.

Disketten für Navigationsdaten, Seekarten-Lizenzen und Konfiguration
Maschinenraum-Automation und Datenerfassungssysteme
Lebenszyklen von 25-30 Jahren bei Handelsschiffen
Zertifizierungspflicht durch IMO, SOLAS und Klassifikationsgesellschaften

Fakten zu Disketten in der Schifffahrt

Begrenzter Einsatz

Nur in bestimmten älteren Konfigurationen.

Lange Lebenszyklen

Maritime Systeme 25-30 Jahre im Betrieb.

Zertifizierungspflicht

Änderungen erfordern Abnahmen und Tests.

Offline-Betrieb

Physische Datenübertragung mit Kontrollpunkten.

Navigation
ECDIS, Seekarten, GPS
Maschinenraum
Automation & Monitoring
Marine
Fregatten & Marineschiffe
Werft/Service
Wartung & Diagnose

Einsatzgebiete von Disketten an Bord

Navigationssysteme und ECDIS

Das Electronic Chart Display and Information System (ECDIS) ist seit 2018 für SOLAS-Schiffe verpflichtend. Bei älteren ECDIS-Systemen können elektronische Seekarten (ENC) und Lizenzdateien über USB-Sticks oder Disketten geladen werden. Die Admiralty-Dokumentation erwähnt explizit "USB flash drive or floppy disk" als Übertragungsmedium für ENC-Permits. Wöchentliche Chart-Updates werden heute meist per E-Mail empfangen und per USB-Stick auf das ECDIS übertragen.

Maschinenraum-Automation

Automationssysteme wie Kongsberg K-Chief oder Wärtsilä-Systeme steuern Antrieb, Stromerzeugung, Lüftung und weitere kritische Schiffsfunktionen. Ältere Generationen dieser Systeme (K-Chief 500/600) nutzen Disketten für Konfigurationsdaten, Software-Updates und Betriebsparameter. Die deutschen F123-Fregatten nutzten 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme – zentral für die Kontrolle von Antrieb und Stromerzeugung.

Wartung und Diagnostik

In Wartungsabläufen werden Speichermedien ohne Netzverbindung genutzt, um Diagnosedaten zu übertragen oder Wartungswerkzeuge einzusetzen. Servicetechniker laden Diagnose-Software, Kalibrierungsdaten und Firmware-Updates von Disketten. Besonders in Werften existieren ältere Prüf- und Diagnosegeräte, die auf Disketten als Übertragungsmedium angewiesen sind.

Voyage Data Recorder (VDR)

Der Voyage Data Recorder – die "Blackbox" des Schiffes – zeichnet Navigationsdaten, Sprachkommunikation und Systemzustände auf. Ältere VDR-Systeme nutzen proprietäre Speichermedien. Bei Unfalluntersuchungen oder routinemäßigen Datenexports können Disketten als Übertragungsmedium zum Einsatz kommen, wenn moderne Schnittstellen fehlen.

Kommunikations- und GMDSS-Systeme

Das Global Maritime Distress and Safety System (GMDSS) ist das internationale Not- und Sicherheitsfunksystem. Ältere Inmarsat-Terminals, Navtex-Empfänger und EPIRB-Programmiergeräte können Disketten-Schnittstellen haben. Die Programmierung von Schiffskenndaten und Systemkonfiguration erfolgt bei manchen Geräten über Disketten.

Ladungsüberwachung und Tanksysteme

Auf Tankern und Frachtschiffen überwachen spezialisierte Systeme Ladung, Tankfüllstände und Ballastwasser. Ältere Systeme für Ladungsberechnung, Stabilitätsrechner und Tankmonitoring können Disketten für Konfigurationsdaten und Software-Updates nutzen. Die Validierung solcher Systeme durch Klassifikationsgesellschaften macht Änderungen aufwändig.

Warum werden Disketten in der Schifffahrt weiter genutzt?

Die Nutzung von Disketten in bestimmten maritimen Systemen ist technisch, regulatorisch und wirtschaftlich begründet – nicht Ausdruck von Rückständigkeit.

Zertifizierte Systeme

Maritime Systeme unterliegen strengen Zertifizierungsanforderungen durch IMO, SOLAS und Klassifikationsgesellschaften wie DNV, Lloyd's Register oder Bureau Veritas. Änderungen an etablierten, zertifizierten Systemen erfordern aufwändige Abnahmen, Tests und Dokumentation – oft aufwändiger als ein Weiterbetrieb.

Cybersicherheit durch Offline-Betrieb

Paradoxerweise bieten Disketten einen Sicherheitsvorteil: 2024 wurden über 1.800 Schiffe von Cyberangriffen betroffen. Offline-Systeme ohne Netzwerkanbindung sind immun gegen Ransomware und Remote-Hacking. Die IMO warnt vor den Risiken vernetzter Bordsysteme – isolierte Legacy-Systeme haben dieses Problem nicht.

Lange Schiffslebenszyklen

Handelsschiffe haben Lebenszyklen von 25-30 Jahren. Ein Containerschiff, das 2000 in Dienst gestellt wurde, kann bis 2025-2030 fahren. Marineschiffe bleiben oft noch länger im Einsatz – die deutschen F123-Fregatten (1994-1996) sollen bis 2028-2031 operieren.

Wirtschaftlichkeit bei Restlaufzeit

Bei älteren Schiffen mit begrenzter Restlaufzeit ist ein vollständiger Systemtausch oft nicht wirtschaftlich. Die Kosten für Modernisierung, Re-Zertifizierung und Werftliegezeit übersteigen den Nutzen – besonders wenn das Schiff in wenigen Jahren verschrottet wird.

Etablierte Serviceprozesse

Über Jahrzehnte haben sich bewährte Prozesse für Wartung und Service entwickelt. Besatzungen sind geschult, Checklisten existieren, die Dokumentation ist vollständig. Eine Umstellung erfordert neue Schulungen, angepasste Prozesse und Änderungen der Sicherheitsmanagementsysteme (ISM Code).

Verfügbarkeit von Ersatzteilen

Für viele ältere Schiffssysteme gibt es keinen offiziellen Hersteller-Support mehr. Die Disketten-Schnittstelle funktioniert weiter – eine Umrüstung würde proprietäre Hardware erfordern, die möglicherweise nicht mehr verfügbar ist. Disketten-Emulatoren wie Gotek bieten hier eine Lösung.

Technische Details: Disketten in der Schifffahrt

Deutsche Marine: 8-Zoll-Disketten auf Fregatten

Die vier Fregatten der Brandenburg-Klasse (F123) – Brandenburg, Schleswig-Holstein, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern – wurden zwischen 1994 und 1996 in Dienst gestellt und haben ihren Heimathafen in Wilhelmshaven. Diese 139 Meter langen U-Boot-Jagd-Fregatten nutzten bis 2024 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme (DAQ), die zentral für die Steuerung von Antrieb und Stromerzeugung sind.

Im Juli 2024 schrieb das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) ein Modernisierungsprojekt aus: Die Entwicklung und Integration eines "emulierenden Speichersystems" als Ersatz für die Diskettenlaufwerke. Das Projekt soll zwischen Oktober 2024 und Juli 2025 abgeschlossen werden. Die F123-Fregatten sollen bis zur Verfügbarkeit der neuen F126-Klasse (2028-2031) im Dienst bleiben.

ECDIS und elektronische Seekarten

Das Electronic Chart Display and Information System (ECDIS) ist ein computergestütztes Navigationssystem, das seit 2012-2018 schrittweise für SOLAS-Schiffe verpflichtend wurde. Es zeigt Electronic Navigational Charts (ENC) zusammen mit GPS-Position, Kurs und Geschwindigkeit an. Der 2024/2025 ECDIS Procedures Guide spricht bereits von der "6. Generation" von ECDIS-Systemen mit AI-Integration und automatischen COLREG-Empfehlungen.

Bei älteren ECDIS-Systemen werden ENC-Daten und Lizenzen (Permits) über portable Medien geladen. Die technische Dokumentation erwähnt explizit "USB flash drive or floppy disk" als Übertragungsoptionen. Laufwerk "A:" für Disketten und Laufwerk "E:" für USB sind typische Konfigurationen. Moderne Systeme empfangen wöchentliche Updates per E-Mail oder Satellit – aber die Übertragung auf das ECDIS erfolgt oft noch über USB.

Maritime Cybersicherheit 2024/2025

Cyberangriffe auf die Schifffahrt nehmen dramatisch zu. Im ersten Halbjahr 2024 wurden über 1.800 Schiffe von Cyberangriffen betroffen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2023. Die Angriffe umfassen Ransomware, Manipulation von AIS-Daten, GPS-Jamming und Angriffe auf IT/OT-Systeme. Die durchschnittlichen Kosten eines maritimen Cyberangriffs übersteigen 550.000 USD.

Seit Juli 2024 gelten die neuen IACS Unified Requirements (UR) E26 und E27 für Cybersicherheit – verpflichtend für Neubauten mit Vertragsabschluss nach diesem Datum. Die Regularien verlangen "Secure by Design" und Software Bill of Materials (SBOM). Die IMO Resolution MSC.428(98) fordert die Integration von Cyber-Risikomanagement in Sicherheitsmanagementsysteme. Legacy-Systeme ohne Netzwerkanbindung – wie solche mit Disketten-Schnittstellen – sind von Netzwerk-basierten Angriffen nicht direkt betroffen.

Schiffstypen und Systeme mit möglicher Disketten-Nutzung

Die folgende Übersicht zeigt Kategorien von Schiffen und Bordsystemen, bei denen Disketten-Systeme dokumentiert oder noch im Einsatz sein können. Die tatsächliche Verbreitung hängt von Baujahr, Werft und durchgeführten Modernisierungen ab.

Marineschiffe und Fregatten

Marineschiffe wie die deutschen F123-Fregatten haben besonders lange Lebenszyklen von 30+ Jahren. Datenerfassungssysteme, Waffenkontrolle und Kommunikationsanlagen können Disketten-Schnittstellen haben. Die Modernisierung erfolgt in Etappen während der Schiffslebensdauer – nicht alle Systeme werden gleichzeitig aktualisiert.

Containerschiffe und Frachter

Ältere Containerschiffe und Bulk-Carrier aus den 1990er und frühen 2000er Jahren können Maschinenraum-Automation, Ladungscomputer und Navigationssysteme mit Disketten-Schnittstellen haben. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 25-30 Jahre – ein 1998 gebautes Schiff kann bis 2023-2028 operieren.

Tanker und Gastanker

Auf Tankern überwachen spezialisierte Systeme Ladung, Tankfüllstände, Inertgas und Ballastwasser. Stabilitätsrechner und Ladungsberechnungssysteme älterer Generationen können Disketten für Software-Updates und Schiffsparameter nutzen. Klassifikationsgesellschaften müssen Änderungen an diesen sicherheitskritischen Systemen genehmigen.

Passagierschiffe und Fähren

Ältere Kreuzfahrtschiffe und Fähren haben komplexe Automationssysteme für Antrieb, HVAC, Sicherheit und Passagierkomfort. Die "Costa Victoria" (Baujahr 1996) oder ähnliche Schiffe dieser Generation können Legacy-Systeme mit Disketten-Schnittstellen haben. Viele ältere Passagierschiffe wurden mittlerweile ausgemustert.

Offshore-Plattformen und Versorgungsschiffe

Bohrplattformen und Offshore-Versorgungsschiffe haben spezialisierte Systeme für dynamische Positionierung, Kransteuerung und Prozessautomation. Ältere Generationen dieser Systeme aus den 1990er Jahren können Disketten für Konfiguration und Service nutzen. Die raue Umgebung und lange Einsatzzeiten begünstigen robusten Legacy-Betrieb.

Werft- und Servicegeräte

In Werften und bei maritimen Servicedienstleistern existieren Diagnose- und Testgeräte, die auf Disketten als Übertragungsmedium angewiesen sind. Spezialisierte Prüfgeräte für Navigationselektronik, Maschinenautomation und Kommunikationssysteme können Disketten-Schnittstellen haben – besonders wenn sie für ältere Schiffe eingesetzt werden.

Fall: Deutsche Marine modernisiert Disketten-Systeme

Im Juli 2024 wurde bekannt, dass die Deutsche Marine die 8-Zoll-Disketten auf ihren Brandenburg-Klasse Fregatten durch ein modernes Emulationssystem ersetzen will. Die Ausschreibung des BAAINBw sucht eine Lösung, die mit der 30 Jahre alten Technologie kompatibel ist und sich nahtlos in die bestehende Infrastruktur integriert. Das Projekt soll bis Juli 2025 abgeschlossen sein. Die Fregatten bleiben bis zur Verfügbarkeit der neuen F126-Klasse (2028-2031) im Dienst. Ähnliche Emulator-Lösungen wie Gotek-Laufwerke haben sich in anderen Branchen bewährt.

Disketten-Systeme vs. vernetzte Systeme in der Schifffahrt

Kriterium Disketten-Systeme Vernetzte Systeme
Cyberangriffe Immun gegen Ransomware und Remote-Hacking Erfordert kontinuierliche Härtung und Überwachung
Regulatorische Anforderungen Etablierte Zertifizierung, keine Updates nötig IACS UR E26/E27, SBOM, Cybersecurity-Pläne
Chart-Updates (ECDIS) Manuelles Laden per Diskette/USB Automatische Updates per Satellit/Internet
Investitionskosten Keine (bestehendes System) Modernisierung, Re-Zertifizierung, Werftzeit
Betriebskosten Disketten und Laufwerke (gering) IT-Personal, Lizenzen, Sicherheitsupdates
Fernwartung Nicht möglich – physische Präsenz erforderlich Remote-Diagnose und -Updates möglich
Datenintegration Isolierte Systeme, manuelle Übertragung Integration in Flottenmanagement und Shore-Side
Support-Situation Oft kein Hersteller-Support mehr Aktive Updates und Patches vom Hersteller

Geschichte der Diskette in der Schifffahrt

1980er Jahre
Digitalisierung in Navigation und Maschinenraum-Überwachung beginnt. Erste computergestützte Navigationssysteme und Automationssysteme nutzen Disketten für Datenspeicherung und Konfiguration. IBM-kompatible PCs werden auf Schiffen eingesetzt.
1990er Jahre
ECDIS-Entwicklung beschleunigt sich. IMO setzt Performance-Standards für elektronische Seekartensysteme. Maschinenraum-Automation (z.B. Kongsberg K-Chief) wird Standard auf Neubauten. Disketten sind das primäre Übertragungsmedium für Software und Daten.
1994-1996
Die vier Brandenburg-Klasse Fregatten (F123) der Deutschen Marine werden in Dienst gestellt. Die Datenerfassungssysteme nutzen 8-Zoll-Disketten – zu diesem Zeitpunkt bereits veraltete Technologie, aber robust und für militärische Zwecke geprüft.
2000er Jahre
USB-Schnittstellen setzen sich bei neuen Schiffssystemen durch. Bestehende Disketten-basierte Systeme bleiben in Betrieb – Schiffslebenszyklen von 25-30 Jahren machen den Parallelbetrieb verschiedener Technologiegenerationen normal.
2011
Sony stellt als einer der letzten großen Hersteller die Diskettenproduktion ein. Maritime Betreiber beginnen mit dem Aufbau von Lagerbeständen. Erste Disketten-Emulatoren werden für maritime Anwendungen eingesetzt.
2012-2018
ECDIS wird schrittweise für SOLAS-Schiffe verpflichtend. Ältere Systeme mit Disketten-Schnittstellen werden weiter betrieben – USB ist das primäre Übertragungsmedium, aber Disketten bleiben als Backup verfügbar.
2019
Das US-Militär ersetzt die 8-Zoll-Disketten in seinem Interkontinentalraketen-Kommandosystem (SACCS) durch Solid-State-Speicher. Maritime Systeme folgen diesem Trend langsamer aufgrund längerer Lebenszyklen und Zertifizierungsanforderungen.
2024
Über 1.800 Schiffe werden im ersten Halbjahr von Cyberangriffen betroffen. IACS Unified Requirements E26/E27 für Cybersicherheit treten in Kraft. Die Deutsche Marine schreibt die Modernisierung der Disketten-Systeme auf F123-Fregatten aus. Japan erklärt den "Krieg gegen Disketten" für gewonnen.
2025 und darüber hinaus
Modernisierung der F123-Fregatten soll bis Juli 2025 abgeschlossen sein. Legacy-Systeme auf älteren Handelsschiffen bleiben bis zur Ausmusterung in Betrieb. Die F126-Klasse (ab 2028-2031) wird mit modernen Systemen ausgestattet. Schrittweise Ablösung parallel zur natürlichen Flottenneuerung.

Häufig gestellte Fragen zu Disketten in der Schifffahrt

Warum gibt es Disketten in der Schifffahrt überhaupt noch?
In bestimmten älteren Systemkonfigurationen sind Disketten Teil etablierter Service- und Übertragungsvorgänge. Schiffe haben Lebenszyklen von 25-30 Jahren – in dieser Zeit bleiben etablierte, zertifizierte Systeme oft unverändert im Betrieb. Eine Ablösung erfordert Planung, Tests, Zertifizierung durch Klassifikationsgesellschaften und oft Werftliegezeit. Solange Systeme betriebssicher sind und die regulatorischen Anforderungen erfüllen, gibt es wenig wirtschaftlichen Anreiz zur Modernisierung.
Nutzt die Deutsche Marine noch Disketten?
Die Brandenburg-Klasse (F123) Fregatten der Deutschen Marine nutzten bis 2024 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme (DAQ). Diese Systeme sind zentral für die Steuerung von Antrieb und Stromerzeugung. Im Juli 2024 wurde ein Modernisierungsprojekt ausgeschrieben: Die Entwicklung eines emulierenden Speichersystems als Ersatz. Das Projekt soll bis Juli 2025 abgeschlossen sein. Die Fregatten bleiben bis zur Verfügbarkeit der neuen F126-Klasse (2028-2031) im Dienst.
Wie lange werden Schiffe typischerweise betrieben?
Die typische Lebensdauer von Handelsschiffen beträgt 25-30 Jahre bei guter Wartung. Die SOLAS-Konvention erlaubt Ausnahmen für gut gewartete Schiffe über 20 Jahre. Marineschiffe haben oft noch längere Lebenszyklen – die deutschen F123-Fregatten wurden 1994-1996 in Dienst gestellt und sollen bis 2028-2031 operieren, also über 30 Jahre. Das durchschnittliche Alter der weltweiten Frachtflotte beträgt etwa 20 Jahre.
Was ist ECDIS und welche Rolle spielen Disketten?
ECDIS (Electronic Chart Display and Information System) ist das elektronische Seekartensystem, das seit 2012-2018 für SOLAS-Schiffe verpflichtend ist. Es zeigt elektronische Seekarten (ENC) zusammen mit GPS-Position und anderen Sensordaten an. Bei älteren ECDIS-Systemen können Seekartendaten und Lizenzen über USB-Sticks oder Disketten geladen werden. Wöchentliche Updates werden heute meist per E-Mail empfangen und per USB übertragen – moderne Systeme können auch Online-Updates empfangen.
Sind Disketten-Systeme auf Schiffen ein Cybersicherheitsrisiko?
Paradoxerweise können offline-Systeme mit Disketten einen Sicherheitsvorteil bieten: Sie sind vollständig immun gegen Ransomware, Remote-Hacking und GPS-Spoofing. 2024 wurden über 1.800 Schiffe von Cyberangriffen betroffen. Die IMO und IACS haben neue Cybersicherheitsanforderungen erlassen – aber diese zielen primär auf vernetzte Systeme. Isolierte Legacy-Systeme haben diese Probleme strukturell nicht, solange die physische Sicherheit der Disketten gewährleistet ist.
Welche Regularien gelten für maritime Systeme?
Die SOLAS-Konvention (Safety of Life at Sea) der IMO ist das wichtigste internationale Abkommen für die Sicherheit von Handelsschiffen – 167 Staaten mit 99% der weltweiten Handelsflotte sind Vertragsparteien. Seit Juli 2024 gelten die neuen IACS Unified Requirements E26/E27 für Cybersicherheit bei Neubauten. Klassifikationsgesellschaften wie DNV, Lloyd's Register und Bureau Veritas zertifizieren Schiffssysteme und müssen Änderungen genehmigen. Für Bestandsschiffe gelten Übergangsregelungen.
Welche Schiffssysteme nutzen möglicherweise noch Disketten?
Betroffen sein können ältere Navigationssysteme (ECDIS, Radar), Maschinenraum-Automation (Kongsberg K-Chief, Wärtsilä-Systeme), Datenerfassungssysteme für Antrieb und Stromerzeugung, Voyage Data Recorder (VDR), GMDSS-Kommunikationssysteme, Ladungsüberwachung auf Tankern, sowie Wartungs- und Diagnosegeräte in Werften. Die tatsächliche Verbreitung hängt von Baujahr, Werft und durchgeführten Modernisierungen ab.
Was sind Disketten-Emulatoren und wie helfen sie?
Disketten-Emulatoren wie Gotek-Laufwerke ersetzen physische Diskettenlaufwerke durch Geräte, die USB-Sticks oder SD-Karten nutzen. Sie emulieren die Disketten-Schnittstelle für das Host-System, speichern die Daten aber auf modernen Medien. Die Deutsche Marine plant eine solche Lösung für ihre F123-Fregatten. Emulatoren sind eine bewährte Brückentechnologie, die den Weiterbetrieb von Legacy-Systemen ermöglicht, ohne grundlegende Änderungen an der Hardware vornehmen zu müssen.
Gibt es verlässliche Zahlen zur Verbreitung?
Nein. Es gibt keine belastbaren öffentlichen Gesamtstatistiken zur Nutzung von Disketten in der Schifffahrt. Die Verbreitung hängt von Schiffsalter, Schiffstyp, Flaggenstaat und Modernisierungsgrad ab. Bekannt sind Einzelfälle wie die deutschen F123-Fregatten. Die maritime Branche ist dezentral organisiert – Daten über Bordausrüstung werden nicht zentral erfasst.
Was tun, wenn Disketten knapp werden?
Betreiber arbeiten mit Lagerbeständen, Ersatzteilmanagement und schrittweisen Modernisierungen. Geprüfte Gebrauchtdisketten können eine Übergangslösung sein. Disketten-Emulatoren bieten eine langfristige Alternative. Bei Systemen ohne Modernisierungsoption kann die Ausmusterung des Schiffes oder Systems die wirtschaftlichste Lösung sein. Das DISKETTENWERK prüft eingesandte Disketten und kann funktionsfähige Exemplare an Einrichtungen mit Bedarf weitervermitteln.
Was passiert mit Disketten bei Schiffsverschrottung?
Bei der Verschrottung von Schiffen müssen Datenträger mit sensiblen Navigations-, Betriebs- oder Logbuchdaten sicher gelöscht oder vernichtet werden. Dies betrifft Voyage Data Recorder, Navigationssysteme, Logbücher und Betriebsparameter. Internationale Abkommen wie die Hong Kong Convention regeln die umweltgerechte Schiffsverschrottung – Datensicherheit ist Teil der ordnungsgemäßen Entsorgung.
Kann ich Disketten aus maritimen Beständen einsenden?
Ja. Disketten aus maritimen Service- oder Systembeständen können zur Prüfung, sicheren Datenlöschung und fachgerechten Entsorgung eingesendet werden. Das DISKETTENWERK löscht sensible Daten nach zertifizierten Verfahren, stellt bei Bedarf Löschprotokolle aus und führt funktionsfähige Medien der Wiederverwendung zu – oder entsorgt sie fachgerecht. Mehr zur Diskettenabgabe.
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