Wie lange halten Disketten?
Die unbequeme Wahrheit über Bit Rot, Schimmel und Ihre alten Daten.
Sie haben Disketten aus den 90ern gefunden und fragen sich, ob die Daten noch lesbar sind? Die ehrliche Antwort: Vielleicht. Die Zeit arbeitet gegen Sie – und nach unserer Erfahrung sind bereits ca. 20% der Dachboden-Funde defekt. Erfahren Sie, warum jetzt handeln wichtig ist.
Die offizielle Haltbarkeit
Hersteller gaben für Disketten typischerweise eine Lebensdauer von 10-30 Jahren an – unter "optimalen Lagerbedingungen":
• Temperatur: 18-22°C (konstant, keine Schwankungen)
• Luftfeuchtigkeit: 40-60% (nicht zu feucht, nicht zu trocken)
• Kein direktes Sonnenlicht
• Mindestens 10 cm Abstand zu Magnetfeldern (Lautsprecher, Motoren)
• Staubfrei, aufrecht stehend gelagert
Die Realität: Disketten lagen auf Dachböden (Hitze im Sommer!), in feuchten Kellern, neben Lautsprechern, in Umzugskartons oder im Auto. Unter diesen Bedingungen kann die Lebensdauer deutlich kürzer sein.
⚠️ Die unbequeme Wahrheit
Disketten aus den 1990er Jahren sind heute 25-35 Jahre alt. Selbst unter optimalen Bedingungen nähern sie sich dem Ende ihrer Lebensdauer. Wenn Sie wichtige Daten auf alten Disketten haben, ist jetzt der Zeitpunkt zu handeln. Jedes Jahr, das Sie warten, erhöht das Risiko.
Was ist Bit Rot?
"Bit Rot" (auch "Data Decay") bezeichnet den schleichenden Datenverlust auf magnetischen Speichermedien. Die Ursache: Die magnetischen Partikel auf der Diskette verlieren mit der Zeit ihre Ausrichtung.
Wie es passiert: Daten werden als winzige magnetische Bereiche gespeichert, die entweder "Nord" oder "Süd" ausgerichtet sind (entspricht 1 oder 0). Mit der Zeit schwächt sich diese Magnetisierung ab, besonders an den Übergängen zwischen den Bereichen. Die Bits "verschwimmen".
Das Ergebnis: Erst werden einzelne Bits unleserlich, dann ganze Sektoren, schließlich die gesamte Diskette. Das Tückische: Bit Rot passiert langsam und unbemerkt. Sie erfahren erst davon, wenn Sie die Diskette einlegen – und dann kann es zu spät sein.
Woran erkenne ich Probleme?
Sichtbare Schäden (ohne Einlegen):
• Schimmel oder weiße Flecken auf der Oberfläche
• Kratzer auf der Magnetscheibe (sichtbar durch das Metallfenster)
• Schwergängiger oder klemmender Metallverschluss (Shutter)
• Verbogenes oder gebrochenes Gehäuse
• Schleifspuren auf der Magnetscheibe
Symptome beim Lesen:
• Laufwerk rattert oder klickt beim Zugriff
• Dateien lassen sich nicht öffnen oder werden als "beschädigt" angezeigt
• Korrupte Daten: Bilder mit Artefakten, Texte mit seltsamen Zeichen
• Dateien haben plötzlich 0 Bytes oder falsche Größe
• Windows meldet "Datenträger nicht formatiert"
Faktoren, die die Lebensdauer verkürzen
Feuchtigkeit: Wasser und hohe Luftfeuchtigkeit greifen die magnetische Beschichtung an und fördern Schimmelbildung. Keller sind Gift für Disketten.
Hitze: Hohe Temperaturen beschleunigen die chemische Degradation. Dachböden und Autos im Sommer können über 50°C erreichen.
Temperaturschwankungen: Ständiges Wechseln zwischen warm und kalt kann Kondensation verursachen und die Materialien ermüden.
Magnetfelder: Lautsprecher, CRT-Monitore, Motoren, Magnete – all diese Geräte können Daten auf Disketten beschädigen oder löschen.
Physische Schäden: Kratzer, Fingerabdrücke auf der Magnetschicht, Staub und Schmutz führen zu Lesefehlern.
Was Sie jetzt tun sollten
Option 1: Daten retten lassen
Wenn auf Ihren Disketten wichtige Daten sind – Familienfotos, Dokumente, alte Projekte –
sollten Sie diese jetzt digitalisieren lassen. Je länger Sie warten, desto höher das Risiko.
Option 2: Testen lassen
Sie wissen nicht, ob noch etwas Wichtiges auf den Disketten ist? Bei kleinen Mengen prüfen wir
kostenlos, ob die Disketten noch lesbar sind und was darauf ist.
Option 3: Sicher entsorgen
Wenn die Daten nicht mehr relevant sind, sollten Sie die Disketten fachgerecht entsorgen.
Auch wenn die Daten für Sie wertlos sind – sie könnten für andere interessant sein.