Warum Disketten immer noch genutzt werden in 2025

In bestimmten technischen Umgebungen sind Disketten auch 2025 noch Teil bewährter Arbeitsabläufe – nicht aus Rückständigkeit, sondern aus technischen, behördlichen und wirtschaftlichen Gründen.

Über 70% der Fertigungsanlagen in Nordamerika sind älter als 20 Jahre. Der durchschnittliche Erneuerungszyklus in der Fertigung beträgt 15-20 Jahre. Laut US-Rechnungshof betreiben US-Bundesbehörden mindestens 11 wichtige Altsysteme, die dringend erneuert werden müssten – 80% des EDV-Haushalts fließt in die Pflege bestehender Systeme. Im Juni 2024 erklärte Japan nach Abschaffung von 1.034 Disketten-Vorschriften den Kampf gegen Disketten amtlich für beendet.

Zugelassene Systeme mit bewährten Freigabeverfahren
Lange Lebenszyklen von 15-30+ Jahren in Fertigung und Verkehr
Betrieb ohne Netzwerk als Schutz vor Netzangriffen
Wirtschaftlichkeit bei begrenzter Restlaufzeit
Sinnbild: Altsystem mit Diskettenlaufwerk

Zahlen zu Altsystemen

Begrenzter Einsatz

Nur in festgelegten Altumgebungen, nicht im Alltag.

Technische Gründe

Zulassungen, Schnittstellen, Lebenszyklen.

Netzsicherheit

Systeme ohne Netzwerk, ohne Netzgefahr.

Brückentechnik

Nachahmer ermöglichen sanfte Erneuerung.

Luftfahrt
Bordelektronik und Steuerdaten
Schifffahrt
Seekarten und Selbststeuerung
Fertigung
Werkzeugmaschinen und Steuerungen
Medizintechnik
Untersuchung und Bildarchiv

Das Erscheinungsbild Altsysteme

Ein Altsystem ist nicht einfach "alt" – es ist eine bewährte Technik, die trotz neuerer Möglichkeiten weiterhin wichtige Aufgaben erfüllt und fest in bestehende Abläufe eingebunden ist.

Was sind Altsysteme?

Der Begriff "Altsystem" beschreibt Rechner, Geräte oder Anlagen, die als veraltet gelten, aber weiterhin im täglichen Betrieb sind. Der US-Rechnungshof fand 2025 mindestens 11 wichtige Altsysteme in US-Bundesbehörden, die dringend erneuert werden müssten. Acht dieser Systeme nutzen veraltete Programmiersprachen wie COBOL und Maschinensprache. Vier haben Geräte oder Rechner, die nicht mehr vom Hersteller unterstützt werden. Sieben haben bekannte Sicherheitslücken.

Altsysteme sind nicht grundsätzlich schlecht – sie stehen für Jahrzehnte an Geldaufwand, eingebautem Wissen und erprobter Zuverlässigkeit. Banken weltweit nutzen weiterhin COBOL-Großrechner für Überweisungen und Betrugsaufdeckung. Diese Systeme verarbeiten täglich Milliarden Vorgänge mit einer Zuverlässigkeit, die neue Systeme oft nicht erreichen. Das Umstellen auf neue Technik birgt Gefahren: Fehler, Ausfälle, Kinderkrankheiten. Das alte System ist die "sichere Wahl".

Die Bezeichnung "Altsystem" ist dabei wertneutral. Sie beschreibt lediglich, dass ein System schon lange im Einsatz ist und auf älterer Technik beruht. Ob das ein Problem darstellt, hängt vom Einzelfall ab. Ein Altsystem, das seine Aufgabe zuverlässig erfüllt, die Sicherheitsvorgaben einhält und wirtschaftlich betrieben werden kann, muss nicht zwingend ersetzt werden. Erst wenn Ersatzteile knapp werden, Fachleute fehlen oder behördliche Vorgaben sich ändern, entsteht Handlungsdruck.

Büro-EDV und Betriebstechnik: Zwei Welten

Büro-EDV umfasst Bürorechner, Datenbanken und Netzwerke – hier sind Erneuerungszyklen von 3-5 Jahren üblich. Betriebstechnik dagegen steuert greifbare Vorgänge: Maschinen, Fertigungsanlagen, Schiffssysteme, medizinische Geräte. Betriebstechnik hat oft Lebenszyklen von 15-30+ Jahren und unterliegt strengeren Änderungsvorgaben. Der Grund: Fehler können körperliche Folgen haben – ein Ausfall der Maschinensteuerung ist gefährlicher als ein Bürorechner-Absturz. In der Fertigung steuern diese Systeme Fräsen, Drehbänke und Roboter.

Warum Altsysteme überdauern

Eine Untersuchung zeigt: 88% der Betriebe weltweit werden durch Alttechnik in ihrer Erneuerung gebremst. Gleichzeitig nutzen über zwei Drittel aller Firmen Großrechner oder Altanwendungen für ihre Kerngeschäfte. Der Grund: Diese Systeme sind beständig, erprobt und tief in Arbeitsabläufe eingebunden. Eine Ablösung ist gefährlich, teuer und zeitraubend. Oft fehlt auch das Wissen: Die ursprünglichen Entwickler sind im Ruhestand oder nicht mehr erreichbar. Das betrifft alle Bereiche – von der Luftfahrt bis zur Medizintechnik.

Die besondere Rolle der Betriebstechnik

Während Büro-EDV vor allem Daten verarbeitet, steuert Betriebstechnik greifbare Vorgänge in der körperlichen Welt. Eine Werkzeugmaschine fräst Metall, ein Schiffsruder steuert Kurs, ein Herzschrittmacher gibt Stromstöße ab. Diese körperliche Bindung macht Betriebstechnik besonders: Fehler können Maschinen beschädigen, Fertigungen lahmlegen oder Menschen gefährden.

Daher gelten für Betriebstechnik strengere Regeln als für Büro-EDV. Änderungen müssen gründlich geprüft werden. In behördlich überwachten Bereichen wie Luftfahrt, Schifffahrt oder Medizintechnik sind amtliche Freigaben erforderlich. Diese Freigabeverfahren sind aufwändig und teuer – ein Grund, warum Betriebstechnik oft Jahrzehnte unverändert bleibt.

Die Verbindung von Büro-EDV und Betriebstechnik über Netzwerke hat neue Möglichkeiten geschaffen, aber auch neue Gefahren. Ein Netzangriff auf die Büro-EDV kann jetzt auf Fertigungsanlagen übergreifen. Systeme ohne Netzverbindung – wie viele ältere Disketten-Systeme – sind von dieser Gefahr bauartbedingt ausgeschlossen. Das ist ein Grund, warum manche Betreiber bewusst an der Trennung festhalten.

Technische Gründe für den Weiterbetrieb

Die fortgesetzte Nutzung von Disketten ist keine Frage von Rückständigkeit, sondern von technischen und betrieblichen Gegebenheiten, die in vielen Bereichen gelten.

Lange Lebenszyklen

Der durchschnittliche Erneuerungszyklus in der Fertigung beträgt 15-20 Jahre. Über 70% der Fertigungsanlagen in Nordamerika sind älter als 20 Jahre. Flugzeuge, Schiffe und medizinische Geräte haben oft Lebenszyklen von 25-40 Jahren. Solange Arbeitsweise und Sicherheit gewährleistet sind, besteht kein Zwang zur Ablösung.

Zulassungen und Freigaben

In behördlich überwachten Bereichen wie Luftfahrt, Medizintechnik oder Schifffahrt erfordern Änderungen an Schnittstellen umfangreiche Prüfungen, Unterlagen und amtliche Freigaben. Dieser Aufwand übersteigt oft den Nutzen einer Erneuerung bei begrenzter Restlaufzeit.

Arbeitsabläufe ohne Netzwerk

Disketten ermöglichen körperliche Trennung von Netzwerken. Übergabe, Zugriff und Aufbewahrung sind eindeutig nachvollziehbar. In sicherheitswichtigen Umgebungen ist diese Trennung vom Netz ein bewusster Entwurfsentscheid, kein Versäumnis. Sie schützt vor Ferneindringung und Erpressungsprogrammen.

Herstellereigene Schnittstellen

Viele Spezialsysteme nutzen herstellereigene Diskettenformate, die nicht mit üblichen Rechnern zusammenarbeiten. Spezialhersteller haben Entwicklungsabläufe, die mit dem Tempo des Technikwandels nicht Schritt halten können – besonders wenn behördliche Hürden hinzukommen. In der Fertigung ist das besonders verbreitet.

Fehlende Unterlagen

Bei Altsystemen ist die ursprüngliche Beschreibung oft unvollständig oder verloren. Die Entwickler sind längst im Ruhestand oder nicht mehr erreichbar. Eine Erneuerung erfordert erst eine aufwändige Untersuchung des bestehenden Systems – Rückwärtsanalyse von Anlagen, die seit 30 Jahren "einfach laufen".

Eingebautes Erfahrungswissen

Altsysteme enthalten Jahrzehnte an angesammeltem Verfahrenswissen, Verbesserungen und Notlösungen. Dieses unausgesprochene Wissen ist oft nicht aufgeschrieben und geht bei einem Systemwechsel verloren. Der Aufwand, dieses Wissen herauszuziehen und in neue Systeme zu übertragen, wird oft unterschätzt.

Altsysteme in Zahlen

70%+
der Fertigungsanlagen in Nordamerika älter als 20 Jahre
80%
des US-EDV-Haushalts für Pflege bestehender Systeme
15-20
Jahre durchschnittlicher Erneuerungszyklus in der Fertigung
1.034
Disketten-Vorschriften von Japan 2024 abgeschafft

Wirtschaftliche Gesichtspunkte

Die Entscheidung über die Erneuerung eines Altsystems ist oft eine wirtschaftliche Abwägung zwischen Kosten, Gefahren und Nutzen.

Kosten der Erneuerung

Die Ablösung eines Altsystems umfasst nicht nur Geräte und Rechner, sondern auch Schulung, Anpassung der Abläufe, erneute Zulassung und Stillstand während der Umstellung. Bei besonderen Fertigungssystemen oder medizinischen Geräten können die Gesamtkosten den ursprünglichen Kaufpreis um ein Vielfaches übersteigen. Hinzu kommen versteckte Kosten wie Einarbeitungszeit und vorübergehende Leistungseinbußen.

Restlaufzeit-Rechnung

Wenn ein System noch 5 Jahre Restlaufzeit hat, lohnt sich eine aufwändige Erneuerung wirtschaftlich oft nicht. Betreiber wägen ab: Was kosten Pflege und Ersatzteile für die Restlaufzeit, was kostet eine vorzeitige Ablösung? Bei älteren Systemen mit begrenzter Restlaufzeit ist der Weiterbetrieb meist die günstigere Wahl. Das gilt besonders in der Schifffahrt mit ihren langen Lebenszyklen.

Verfügbarkeit von Fachleuten

Die Erneuerung von Altsystemen erfordert Fachleute, die sowohl die alte als auch die neue Technik verstehen. Laut Befragungen finden 14% der Firmen die Suche nach befähigtem Personal für Erneuerungsvorhaben als größte Herausforderung. COBOL-Programmierer werden händeringend gesucht – die meisten sind im Rentenalter. Ähnlich sieht es bei Fachleuten für ältere Steuerungstechnik aus.

Gefahr und Nutzen

Jede Systemänderung birgt Gefahren: Programmfehler, Zusammenarbeitsprobleme, Wackelkontakte. Altsysteme sind erprobt und beständig. Die Einführung neuer Systeme kann zu unerwarteten Ausfällen führen. Für wichtige Einrichtungen wie Stromversorgung, Wasserwerke oder Krankenhäuser ist diese Gefahr oft nicht hinnehmbar – das bestehende System ist die "sichere Wahl". In der Luftfahrt gilt das Grundprinzip "never change a running system" besonders streng.

Die verborgenen Kosten der Erneuerung

Die sichtbaren Kosten einer Systemerneuerung – Geräte, Programme, Beratung – sind oft nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter verbergen sich zahlreiche weitere Aufwände:

  • Stillstandskosten: Während der Umstellung kann die Anlage nicht fertigen. Bei Werkzeugmaschinen können das tausende Euro pro Stunde sein.
  • Schulungskosten: Bediener und Instandhalter müssen auf neue Systeme geschult werden. Das dauert Wochen und kostet Arbeitszeit.
  • Einarbeitungszeit: Selbst nach der Schulung brauchen Mitarbeiter Zeit, um mit neuen Systemen genauso flüssig zu arbeiten wie mit den alten.
  • Kinderkrankheiten: Neue Systeme haben oft anfängliche Schwierigkeiten, die erst im Betrieb auffallen und behoben werden müssen.
  • Zulassungskosten: In behördlich überwachten Bereichen wie Medizintechnik oder Luftfahrt können Zulassungsverfahren Jahre dauern und Millionen kosten.
  • Schnittstellenanpassung: Oft müssen auch vor- und nachgelagerte Systeme angepasst werden, was die Kosten vervielfacht.

Diese verborgenen Kosten sind ein wichtiger Grund, warum viele Betreiber bei funktionierenden Altsystemen zurückhaltend sind. Der Grundsatz "never change a running system" hat oft handfeste wirtschaftliche Gründe.

Netzsicherheit und Systeme ohne Netzwerk

Systeme ohne Netzwerkverbindung bieten in bestimmten Zusammenhängen einen bauartbedingten Sicherheitsvorteil, der oft unterschätzt wird.

Das Widerspruchsbild der veralteten Technik

Auf den ersten Blick erscheinen Disketten-Systeme als Sicherheitsgefahr – sie nutzen veraltete Technik ohne zeitgemäße Schutzmerkmale. Tatsächlich bieten sie in bestimmten Zusammenhängen einen bauartbedingten Sicherheitsvorteil: Sie sind vollständig geschützt vor Erpressungsprogrammen, Ferneindringung und Standorttäuschung, weil sie keine Netzverbindung haben.

Diese Trennung vom Netz ist kein Versäumnis, sondern in vielen Fällen ein bewusster Entwurfsentscheid. In der Schifffahrt wurden 2024 über 1.800 Schiffe von Netzangriffen getroffen – aber abgetrennte Altsysteme waren davon nicht unmittelbar betroffen. Das US-Kernwaffenkommando nutzte bis 2019 8-Zoll-Disketten für sein Nachrichtensystem. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte 2016: "Dieses System bleibt im Einsatz, weil es, kurz gesagt, arbeitet."

Dieses scheinbare Widerspruchsbild – veraltete Technik als Sicherheitsvorteil – ist bei genauer Betrachtung nachvollziehbar. Ein System, das keine Netzverbindung hat, kann nicht über das Netz angegriffen werden. Das ist keine Schutztechnik, die umgangen werden könnte, sondern eine bauartbedingte Eigenschaft. In sicherheitswichtigen Bereichen wie Fertigung, Medizintechnik und Luftfahrt wird diese Eigenschaft geschätzt.

Vernetzte Systeme als Angriffsziel

Die Verbindung von Büro-EDV mit Betriebstechnik hat neue Angriffswege geschaffen. Ein Eindringen in die Büro-EDV kann jetzt auf Betriebstechnik wie Antriebssteuerung, Steuerpult oder Fertigungsanlagen übergreifen. Altsysteme ohne Netzverbindung sind von dieser Gefahr bauartbedingt ausgeschlossen. In der Fertigung ist das besonders wichtig, weil Maschinenausfälle teuer sind.

Körperliche Sicherheit statt Netzsicherheit

Bei Disketten-Systemen verlagert sich die Sicherheit von Netzschranken auf körperliche Zugangssteuerung. Wer hat Zugang zu den Disketten? Wer darf sie beschreiben? Wie werden sie aufbewahrt? Diese körperlichen Prüfpunkte sind oft einfacher zu überwachen und nachzuweisen als verschachtelte Netz-Schutzbauten. In der Medizintechnik ist diese Nachweisbarkeit besonders wichtig.

Luftspalt als Entwurfsentscheid

Der Begriff "Luftspalt" beschreibt die vollständige körperliche Trennung eines Systems von Netzwerken. Zwischen dem geschützten System und dem Netz ist buchstäblich nur Luft – keine Kabel, keine Funkverbindung, keine Datenbrücke. Ein so getrenntes System kann nur durch körperlichen Zugang erreicht werden.

Diese Trennung ist in vielen sicherheitswichtigen Bereichen ein bewusster Entwurfsentscheid. In der Luftfahrt sind bestimmte Bordsysteme bewusst nicht mit dem Kabinennetz verbunden. In der Schifffahrt sind wichtige Steuerungssysteme von der Büro-EDV getrennt. In Kernkraftwerken sind Sicherheitssysteme vom Büronetz isoliert.

Disketten sind ein natürliches Werkzeug für Systeme mit Luftspalt: Sie ermöglichen Datenaustausch durch körperliche Übergabe, ohne dass eine Netzverbindung hergestellt werden muss. Ein Kundendiensttechniker kann eine Programmaktualisierung auf Diskette mitbringen, sie in das System einspielen und dann wieder mitnehmen – alles ohne dass das System jemals mit einem Netz verbunden war.

Grenzen des Luftspalts

Der Luftspalt ist kein Allheilmittel. Er schützt nur vor Netzangriffen, nicht vor allen Gefahren. Körperlicher Zugang zum System ermöglicht weiterhin Eingriffe. Die berühmte Stuxnet-Schadsoftware gelangte über USB-Speichersticks in iranische Atomzentrifugen, obwohl diese vom Netz getrennt waren.

Daher erfordert der Luftspalt ergänzende Maßnahmen: körperliche Zugangsbeschränkung, Überwachung der Datenträger, Prüfung eingebrachter Daten. In gut geführten Anlagen sind diese Maßnahmen Teil des Sicherheitsplans. Der Luftspalt ist dann ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige.

Fallbeispiel: Japans Kampf gegen Disketten (2024)

Im Juni 2024 erklärte Japans Digitalminister Taro Kono den Kampf gegen Disketten amtlich für beendet: "Wir haben den Krieg gegen Disketten am 28. Juni gewonnen!" Die Digitalbehörde hatte alle 1.034 Vorschriften abgeschafft, die die Nutzung von Disketten für Behördenvorgänge vorschrieben.

Die ursprüngliche Prüfung hatte 1.894 Vorschriften gefunden, die körperliche Datenträger vorschrieben – die Mehrzahl (1.114) erforderte "Magnetdisketten", andere Silberscheiben oder Magnetbänder. Die Digitalbehörde wurde 2021 während der Weltgesundheitslage gegründet, als die Einführung von Prüfungen und Impfungen offenbarte, dass Japans Regierung noch auf Papierakten und veraltete Technik angewiesen war.

Der Fall Japan zeigt, dass Altsysteme oft nicht an der Technik scheitern, sondern an Vorschriften. Die Technik für Ersatzlösungen existiert seit Jahren. Aber wenn Vorschriften ausdrücklich "Magnetdisketten" verlangen, können Behörden nicht einfach auf neue Datenträger umstellen – selbst wenn sie wollten. Erst die systematische Prüfung und Änderung aller betroffenen Vorschriften ermöglichte den Wandel.

Als Nächstes nimmt sich Japan die Fernkopierer vor – die nächste "veraltete" Technik im Blick. Auch hier zeigt sich: Die Technik ist längst überholt, aber Arbeitsabläufe und Vorschriften halten sie am Leben.

Weitere weltweite Fallbeispiele

Die Nutzung von Disketten in Altsystemen ist ein weltweites Muster. Hier weitere bemerkenswerte Beispiele.

Britische Kernwaffen: Uraltrechner bis 2020er Jahre

Laut Berichten nutzte das britische Kernwaffenarsenal bis in die 2020er Jahre Rechner aus den 1970er und 1980er Jahren für bestimmte Steuerungsaufgaben. Die Begründung ähnelt der amerikanischen: Diese Systeme sind erprobt, zuverlässig und durch ihre Trennung vom Netz vor Ferneingriffen geschützt. Die Erneuerung erfolgt schrittweise und kostet Milliarden.

Das Muster wiederholt sich weltweit: Wichtige Wehrsysteme setzen auf bewährte, wenn auch veraltete Technik. Der Grund ist nicht Geldmangel – Wehrhaushalte sind meist großzügig. Der Grund ist die Bevorzugung von Zuverlässigkeit vor Neuheit. Ein System, das seit 40 Jahren fehlerfrei läuft, ist vertrauenswürdiger als ein neues System mit unbekannten Kinderkrankheiten.

US-Flugsicherung: NOTAM-System

Das NOTAM-System (Meldungen für Flieger) der US-Flugsicherung beruht auf Technik aus den 1990er Jahren. Ein Ausfall im Januar 2023 legte den gesamten US-Luftverkehr für Stunden lahm. Die Erneuerung des Systems war seit Jahren geplant, aber immer wieder verschoben worden – zu teuer, zu gefährlich, zu aufwändig. Der Ausfall beschleunigte die Erneuerungspläne. Mehr zu Systemen in der Luftfahrt.

Neuseeländische Gerichte: Disketten bis 2022

Neuseelands Justizsystem akzeptierte bis 2022 Beweismittel auf Disketten. Erst nach öffentlichem Druck und einer Gesetzesänderung wurde diese Vorgabe abgeschafft. Der Fall zeigt, wie rechtliche Vorgaben technischen Wandel bremsen können – und wie lange es dauert, solche Vorgaben zu ändern, selbst wenn der Wille vorhanden ist.

Boeing 747: Programmaktualisierungen

Ältere Boeing 747 erhalten bestimmte Programmaktualisierungen noch auf 3,5-Zoll-Disketten. Die Flugzeuge wurden für diese Schnittstelle gebaut, und eine Änderung würde umfangreiche Zulassungsverfahren bei FAA und EASA erfordern. Solange die Schnittstelle zuverlässig arbeitet, besteht kein zwingender Grund zur Ablösung. Mehr auf unserer Seite zur Luftfahrt.

Deutsche F123-Fregatten: 8 Zoll bis 2024

Die Fregatten der Brandenburg-Klasse (F123) der Deutschen Marine nutzten bis 2024 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme. Die Schiffe wurden in den 1990er Jahren gebaut und sind noch bis mindestens 2030 im Einsatz. 2024 schrieb die Marine die Erneuerung aus. Mehr zur Schifffahrt.

Musikgeräte und Klangerzeuger

Eine oft übersehene Gruppe von Disketten-Nutzern sind Musiker und Tonstudios. Altehrwürdige Klangerzeuger und Klangabtaster aus den 1980er und 1990er Jahren – Yamaha, Roland, Akai, Ensoniq, Korg und viele andere – nutzen Disketten für Klangsammlungen, Einstellungen und Aufnahmen. Diese Geräte werden bis heute für ihren besonderen Klang geschätzt.

Im Gegensatz zu Fertigungssystemen oder Medizingeräten unterliegen Musikgeräte keinen behördlichen Zulassungen. Der Einbau eines Disketten-Nachahmers ist hier besonders einfach – keine Genehmigungen, keine Unterlagen, nur die technische Anpassung. Die HxC- und Gotek-Gemeinschaften haben daher umfangreiche Verzeichnisse mit unterstützten Musikgeräten erstellt.

Vergleich mit anderen veralteten Techniken

Disketten sind nicht die einzige "veraltete" Technik, die in bestimmten Bereichen überlebt. Ein Vergleich zeigt gemeinsame Muster.

Fernkopierer: Japans nächstes Ziel

Nach der Abschaffung der Disketten-Vorschriften nimmt sich Japan als Nächstes die Fernkopierer vor. Das Land hat eine der höchsten Fernkopiererdichten der Welt – über 40 Millionen Geräte im Jahr 2022. Behörden, Krankenhäuser, Firmen tauschen sich vielfach noch per Fernkopie aus statt per Briefnetz.

Die Gründe ähneln denen für Disketten: Bewährte Abläufe, rechtliche Vorgaben (Unterschriften auf Papier), Vertrauenswürdigkeit (eine Fernkopie ist schwerer zu fälschen als eine Briefnetznachricht). Die Ablösung wird ähnlich lange dauern wie bei den Disketten – Jahre, nicht Monate.

COBOL: Die unsterbliche Sprache

COBOL, eine Programmiersprache aus den 1950er Jahren, läuft noch heute auf Großrechnern von Banken, Versicherungen und Behörden weltweit. Schätzungsweise 95% aller Geldautomaten-Vorgänge weltweit berühren COBOL-Programme. Eine Ablösung wäre teuer und gefährlich – das gleiche Muster wie bei Disketten. COBOL-Programmierer sind händeringend gesucht.

Rundfunkband: Beständigkeit in der Aufnahmetechnik

Rundfunkband wird in einigen Tonstudios noch immer für Aufnahmen geschätzt – der "warme Klang" lässt sich ziffernmäßig nur annähern. Ähnlich wie bei Musikgeräten mit Disketten ist hier nicht der Mangel an Ersatz das Problem, sondern die gewünschten Eigenschaften der alten Technik.

Schwarzweißfilm: Künstlerische Wahl

Obwohl Ziffernkameras Schwarzweißbilder erzeugen können, nutzen manche Lichtbildner weiterhin echten Schwarzweißfilm. Der Grund: Die Zeichnung, der Spielraum, das Griffgefühl unterscheiden sich. Auch hier zeigt sich: Alte Technik hat manchmal Eigenschaften, die neue Technik nicht vollständig nachbilden kann.

Schallplatten: Das Wiederkommen

Schallplatten galten in den 1990er Jahren als überholt. Heute erleben sie ein Wiederkommen – Verkaufszahlen steigen seit Jahren. Die Gründe: Griffgefühl, größere Hüllenbilder, Sammlerfreude. Das zeigt: "Veraltet" muss nicht endgültig sein. Alte Technik kann neue Wertschätzung erfahren.

Gemeinsame Muster

Die Beispiele zeigen gemeinsame Muster, warum "veraltete" Technik überlebt:

  • Bewährte Zuverlässigkeit: Systeme, die jahrzehntelang fehlerfrei laufen, sind schwer zu ersetzen. Das Wagnis einer Erneuerung überwiegt oft den möglichen Nutzen.
  • Rechtliche Bindungen: Vorschriften, Zulassungen und Verträge können Änderungen behindern oder verhindern. Die Änderung rechtlicher Vorgaben dauert oft länger als die Entwicklung technischer Ersatzlösungen.
  • Wirtschaftliche Abwägung: Die Kosten einer Erneuerung übersteigen oft den Nutzen, besonders bei begrenzter Restlaufzeit.
  • Gewünschte Eigenschaften: Manchmal hat alte Technik Eigenschaften, die neue Technik nicht bietet. In der Musik und Fotografie kann "veraltet" bedeuten "einzigartig wertvoll".
  • Körperliche Greifbarkeit: Disketten, Fernkopien, Schallplatten – sie alle bieten etwas Greifbares, das Ziffernlösungen nicht haben.

Diskettengrößen und technische Angaben

Disketten gibt es in verschiedenen Größen und Formaten. Jede Größe hat ihre eigene Geschichte und findet sich heute in unterschiedlichen Altsystemen.

Die verschiedenen Diskettengrößen

Die 3,5-Zoll-Größe (hohe Dichte, 1,44 MB) ist die bekannteste – sie wurde von Sony 1981 eingeführt und war bis in die 2000er Jahre der Maßstab für Datenaustausch am Rechner. Das widerstandsfähige Gehäuse mit Metallschieber machte sie handlicher als ihre Vorgänger. Sony stellte 2011 als letzter großer Hersteller die Herstellung ein.

Die ältere 5,25-Zoll-Größe (1,2 MB bei hoher Dichte) war in den 1980er Jahren verbreitet und findet sich noch in älteren Werkzeugmaschinen und Fertigungssteuerungen. Ihre flexible Hülle macht sie empfindlicher als die 3,5-Zoll-Größe, aber viele Altsysteme wurden dafür ausgelegt und laufen damit seit Jahrzehnten zuverlässig.

Die 8-Zoll-Größe (bis 1,2 MB) ist die älteste und stammt aus den 1970er Jahren. Sie findet sich erstaunlicherweise noch in einigen Wehrsystemen – bis 2024 nutzten die deutschen F123-Fregatten 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme. Das US-Kernwaffenkommando nutzte diese Größe bis 2019. Die Größe dieser Disketten macht sie unhandlich, aber für spezialisierte Anwendungen spielt das keine Rolle.

Herstellereigene Formate in der Fertigung

Viele Fertigungssteuerungen, Werkzeugmaschinen und Musikgeräte nutzen herstellereigene Diskettenformate, die nicht mit üblichen Rechnern zusammenarbeiten. Unterschiedliche Spurdichten, Aufbauten und Dateisysteme erfordern besondere Laufwerke und Programme. Das macht den Datenaustausch umständlich, aber auch weniger anfällig für Schadprogramme. Ein Fremdsystem kann die Daten schlicht nicht lesen.

Datenbeständigkeit und Haltbarkeit

Disketten sind magnetische Speicherträger mit begrenzter Haltbarkeit. Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Magnetfelder können Daten beschädigen. Für wichtige Anwendungen werden Disketten regelmäßig geprüft und vervielfältigt. Das DISKETTENWERK prüft eingesandte Disketten auf Lesbarkeit und führt brauchbare Stücke der Wiederverwendung zu. Bei sachgemäßer Lagerung können Disketten Jahrzehnte halten.

Beschaffung von Disketten heute

Da Sony 2011 als letzter großer Hersteller die Fertigung von 3,5-Zoll-Disketten einstellte, sind neue Disketten heute nur noch schwer zu bekommen. Der Markt wird von Restbeständen, Lagerware und Wiederaufbereitung geprägt.

Für Betreiber von Altsystemen stellt das eine Herausforderung dar. Disketten verschleißen – nach einigen hundert Schreibvorgängen nimmt die Zuverlässigkeit ab. Wer ein System betreibt, das Disketten erfordert, muss für Nachschub sorgen. Das DISKETTENWERK nimmt daher eingesandte Disketten entgegen, prüft sie und führt brauchbare Stücke wieder dem Kreislauf zu.

Für viele Anwendungen bieten sich jedoch Disketten-Nachahmer als dauerhafte Lösung an. Sie ersetzen das körperliche Laufwerk durch ein Gerät, das USB-Speichersticks oder Speicherkarten nutzt – ohne dass das Wirtsystem geändert werden muss.

Disketten-Nachahmer als Brückentechnik

Disketten-Nachahmer ersetzen körperliche Diskettenlaufwerke durch elektronische Geräte – eine bewährte Brückentechnik für den sanften Übergang.

Was sind Disketten-Nachahmer?

Disketten-Nachahmer wie Gotek oder HxC ersetzen körperliche Diskettenlaufwerke durch elektronische Geräte, die USB-Speichersticks oder Speicherkarten als Träger nutzen. Sie ahmen die Disketten-Schnittstelle für das Wirtsystem nach – dieses "glaubt", es tauscht sich mit einem echten Diskettenlaufwerk aus. Die Daten werden aber auf zeitgemäßen, zuverlässigeren Trägern gespeichert.

Das HxC-Vorhaben besteht seit 2006 und unterstützt hunderte von Maschinen – von Altrechnern über Musiksynthesizer bis zu Werkzeugmaschinen und medizinischen Geräten. Mit zehntausenden eingebauten Einheiten ist es zum anerkannten Maßstab für Diskettenlaufwerk-Ersatz geworden. Die deutsche Marine plant eine ähnliche Lösung für ihre F123-Fregatten.

Der Vorteil: Das Wirtsystem muss nicht verändert werden. Keine neue Programmausstattung, keine neue Zulassung, keine Umschulung. Das alte System läuft weiter wie bisher – nur die körperlichen Disketten verschwinden. Für viele Anwendungen ist das die einfachste und günstigste Lösung.

Vorteile der Nachahmung

Nachahmer lösen das Beschaffungsproblem: Disketten und Laufwerke werden immer seltener, Nachahmer nutzen handelsübliche USB-Speichersticks. Sie sind zuverlässiger als körperliche Disketten, ermöglichen schnelleren Datenzugriff und vereinfachen die Datensicherung. Gleichzeitig bleiben die bewährten Abläufe und Schnittstellen unverändert – keine aufwändige Neuzulassung nötig. In der Fertigung sind sie besonders beliebt.

Grenzen der Nachahmung

Nicht alle Systeme passen zusammen – herstellereigene Formate und Zeitabläufe können Schwierigkeiten bereiten. Für sicherheitswichtige Anwendungen in Medizintechnik oder Luftfahrt müssen Nachahmer durch die zuständigen Ämter zugelassen werden. Die Hersteller (HxC, Gotek) empfehlen für Fertigungs- und Heilkundeanwendungen besondere Programmfassungen mit Datenbeständigkeitsprüfung.

Einbau und Betrieb von Nachahmern

Der Einbau eines Disketten-Nachahmers ist bei den meisten Systemen unkompliziert. Das alte Laufwerk wird ausgebaut, der Nachahmer an dessen Stelle eingesetzt und mit dem gleichen Kabel angeschlossen. Nach dem Einschalten verhält sich das System wie zuvor – nur statt einer Diskette steckt jetzt ein USB-Speicherstick im Nachahmer.

Für die meisten Fertigungsanwendungen ist das eine Arbeit von wenigen Stunden. Schwieriger wird es bei Systemen mit herstellereigenen Formaten oder ungewöhnlichen Zeitabläufen. Hier ist manchmal Anpassungsarbeit nötig – die Gemeinschaften rund um HxC und Gotek bieten dafür umfangreiche Unterstützung.

Für behördlich überwachte Bereiche wie Medizintechnik oder Luftfahrt gelten besondere Regeln. Hier muss der Einbau dokumentiert, geprüft und oft genehmigt werden. Der zusätzliche Aufwand lohnt sich trotzdem, wenn das Ersatzteil-Problem für die nächsten Jahrzehnte gelöst wird.

Vergleich: Datenträger ohne Netzwerk und vernetzte Systeme

Kennzeichen Disketten / ohne Netzwerk Vernetzte Systeme
Netzangriffe Geschützt vor Erpressungsprogrammen und Ferneindringung Ständige Härtung und Überwachung erforderlich
Angriffsfläche Nur körperlicher Zugang Netz, Programme, Gerätetreiber, Zulieferkette
Ablaufsteuerung Körperliche Übergabe, nachweisbar Fernzugriff möglich, Aufzeichnungen erforderlich
Änderungsaufwand Bewährte Freigaben, geringe Gefahr Neue Prüfungen, Flickprogramme, Zusammenarbeitsprüfungen
Einrichtungen Einfache Datenträgerverwaltung Netze, Schutzwälle, Benutzerkonten, EDV-Personal
Erweiterbarkeit Begrenzt, Handarbeit Hoch, selbsttätig möglich
Datenaktualität Händisch, zeitversetzt Sofortig möglich
Fernpflege Nicht möglich – körperliche Anwesenheit Fernuntersuchung und Fernaktualisierung
Zuverlässigkeit Bewährt über Jahrzehnte, wenig Ausfallpunkte Abhängig von vielen Teilen, komplexer
Fachkenntnisse Maschinenkenntnis, körperliche Übung EDV-Kenntnisse, Netzsicherheit

Disketten in verschiedenen Bereichen

Die Nutzung von Disketten unterscheidet sich je nach Bereich und technischem Zusammenhang. Jeder Bereich hat eigene behördliche Vorgaben, Lebenszyklen und Erneuerungshürden.

Disketten in der Luftfahrt

In der gewerblichen Luftfahrt können ältere Bordrechner-Systeme Disketten für Steuerdatenbanken, Programmaktualisierungen und Wartungsaufzeichnungen nutzen. Die strengen Zulassungsvorgaben von EASA, FAA und Herstellern wie Boeing und Airbus machen Änderungen an bewährten Systemen besonders aufwändig. Flugzeuge haben Lebenszyklen von 25-40+ Jahren. Die Bordelektronik in einer 1995 gebauten Boeing 737 kann noch Jahrzehnte im Einsatz sein.

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Disketten in der Schifffahrt

Seesysteme wie Seekartenrechner, Maschinenraum-Selbststeuerung und Nachrichtenanlagen können Disketten-Schnittstellen haben. Die deutschen F123-Fregatten nutzten bis 2024 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme. Schiffe haben Lebenszyklen von 25-30 Jahren, Kriegsschiffe noch länger. Das SOLAS-Übereinkommen und Güteprüfstellen wie DNV und Lloyd's bestimmen, welche Änderungen zulässig sind.

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Disketten in der Fertigung

Werkzeugmaschinen, speicherprogrammierbare Steuerungen, Robotersysteme und Prüfgeräte aus den 1980er bis frühen 2000er Jahren nutzen häufig Disketten für Programme, Einstellwerte und Fehlersuche. Über 70% der Fertigungsanlagen in Nordamerika sind älter als 20 Jahre. Disketten-Nachahmer wie Gotek sind hier eine bewährte Brückentechnik, die das Beschaffungsproblem löst, ohne die Arbeitsabläufe zu ändern.

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Disketten in der Medizintechnik

Ältere Ultraschall-, Herzstrom-, Labor- und Röntgensysteme können Disketten für Eichung, Programmaktualisierungen und Krankenaktenausfuhr nutzen. Die US-Arzneimittelbehörde bezeichnet Geräte mit veralteter Rechnerausstattung, die nicht mehr gegen heutige Netzbedrohungen geschützt werden können, als "Altgeräte". Medizingeräte haben Lebenszyklen von 10-20 Jahren und unterliegen strengen Zulassungsvorgaben.

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Warum nicht einfach umstellen?

Die Frage scheint einfach: Warum ersetzt man Disketten nicht durch USB-Speichersticks? Die Antwort ist komplizierter als erwartet.

Das Problem der Schnittstellen

Disketten nutzen eine eigene Schnittstelle – den Disketten-Anschluss. Dieser unterscheidet sich grundlegend von USB, Netzwerk oder anderen modernen Schnittstellen. Ein System, das für Disketten gebaut wurde, kann nicht einfach einen USB-Anschluss nutzen, so wie eine Steckdose nicht einfach einen Wasserhahn aufnehmen kann.

Um von Disketten auf USB umzustellen, muss die gesamte Schnittstellen-Verarbeitung im System geändert werden. Das betrifft die Gerätetreiber (die Programme, die mit der Schnittstelle sprechen), oft auch die übergeordneten Programme und manchmal die gesamte Systemarchitektur. Bei einem Bordsystem in der Luftfahrt oder einer Fertigungssteuerung in der Industrie ist das keine Kleinigkeit.

Das Zulassungsproblem

In behördlich überwachten Bereichen ist jede Änderung zulassungspflichtig. Ein Flugzeug-Bordsystem muss von der Luftfahrtbehörde zugelassen werden – nicht nur das Gerät selbst, sondern auch jede Programmänderung. Diese Zulassungsverfahren dauern Monate bis Jahre und kosten Hunderttausende bis Millionen.

Ähnlich verhält es sich in der Medizintechnik: Ein zugelassenes Medizingerät darf nicht einfach umgebaut werden. Jede Änderung muss dokumentiert, geprüft und oft neu zugelassen werden. Selbst wenn die technische Änderung einfach wäre, macht das Zulassungsverfahren sie teuer und langwierig.

Das Wirtschaftlichkeitsproblem

Zulassungskosten von Hunderttausenden Euro lohnen sich nur, wenn das System noch viele Jahre betrieben wird. Bei einer Werkzeugmaschine mit 5 Jahren Restlaufzeit kann es günstiger sein, Disketten zu beschaffen, als die Schnittstelle umzurüsten. Bei einem Schiff mit 10 Jahren Restlaufzeit gilt eine andere Rechnung.

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist komplex: Kosten der Umrüstung, Kosten der Zulassung, Kosten des Stillstands während der Umrüstung, eingesparte Kosten für Disketten-Beschaffung, Kosten für Schulung auf neue Systeme. Oft ergibt sich, dass der Weiterbetrieb mit Disketten günstiger ist.

Das Wissensproblem

Viele Altsysteme sind nur unzureichend beschrieben. Die Entwickler sind im Ruhestand oder verstorben, die Unterlagen unvollständig oder verloren. Um eine Schnittstelle umzurüsten, muss man das System verstehen – und das Verstehen eines jahrzehntealten Systems ohne Unterlagen ist aufwändig und fehleranfällig. Disketten-Nachahmer umgehen dieses Problem, weil sie die vorhandene Schnittstelle nutzen.

Das Risikoproblem

Jede Änderung birgt Risiken: Programmfehler, unerwartetes Verhalten, Zusammenarbeitsprobleme. Ein laufendes System ist erprobt – es hat seine Kinderkrankheiten hinter sich. Eine Änderung bringt neue Kinderkrankheiten. In der Luftfahrt, Schifffahrt oder Medizintechnik kann das gefährlich sein.

Übliche Einsatzzusammenhänge für Disketten

Disketten werden in Altumgebungen für klar abgegrenzte Aufgaben eingesetzt. Sie sind nicht Teil des täglichen Datenaustauschs, sondern Werkzeuge für besondere Vorgänge:

  • Wartung und Kundendienst: Prüfprogramme, Programmaktualisierungen, Eichdaten für Kundendiensttechniker. Der Techniker bringt die Diskette mit, spielt sie ein und nimmt sie wieder mit.
  • Einstellung und Einrichtung: Übertragung von Maschineneinstellwerten, Rezepturen, Fertigungsprogrammen. In der Fertigung werden so CNC-Programme in Maschinen geladen.
  • Prüf- und Untersuchungssysteme: Besondere Prüfgeräte in Werften, Flugzeugwartung, Krankenhäusern. In der Medizintechnik werden damit Geräte geeicht.
  • Aufbewahrungs- und Schulungsumgebungen: Geschichtliche Datenbestände, Schulungssysteme für ältere Technik. Manchmal müssen alte Daten aus Archiven wiederhergestellt werden.
  • Werkstatt- und Kundendiensteinrichtungen: Ältere Prüf- und Programmiergeräte bei Händlern und Kundendienstpartnern. In der Luftfahrt haben Wartungsbetriebe oft spezialisierte Ausrüstung.

Abgrenzung zum heutigen Alltag

Disketten spielen im heutigen Alltag, in Büro-EDV oder bei Verbrauchern keine Rolle mehr. Seit 2011 werden keine 3,5-Zoll-Disketten mehr von großen Herstellern gefertigt. Neue Rechner haben seit über 15 Jahren keine eingebauten Diskettenlaufwerke mehr. Die Nutzung beschränkt sich auf besondere technische Altumgebungen und ist kein Zeichen allgemeiner technischer Bedeutung.

Diese klare Abgrenzung ist wichtig: Disketten sind keine "vergessene Technik", die plötzlich wiederentdeckt wird. Sie sind auch kein Zeichen von Rückständigkeit oder Vernachlässigung. Sie sind schlicht Teil von Systemen, die aus guten Gründen noch im Einsatz sind – und die Disketten nutzen, weil sie so gebaut wurden.

Werden Disketten aus alten Systemen ausgemustert, ist eine fachgerechte Entsorgung mit sicherer Datenlöschung erforderlich. Das DISKETTENWERK prüft eingesandte Disketten, löscht Daten sicher nach anerkannten Verfahren und führt brauchbare Datenträger der Wiederverwendung zu – oder entsorgt sie umweltgerecht.

Weltweite Beispiele für Altsysteme mit Disketten

Von Kernwaffensystemen bis zu Fertigungsanlagen – Disketten sind in erstaunlich vielen kritischen Systemen noch im Einsatz.

US-Kernwaffenkommando: 8-Zoll-Disketten bis 2019

Das strategische Befehlssystem der USA für Interkontinentalraketen (SACCS - Strategic Automated Command and Control System) nutzte bis 2019 8-Zoll-Disketten. Das System stammt aus den 1970er Jahren und koordinierte die Einsatzbereitschaft von hunderten Atomraketen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte 2016 auf die Frage, warum man noch Disketten verwende: "Dieses System bleibt im Einsatz, weil es, kurz gesagt, arbeitet."

Die Ablösung der Disketten dauerte Jahre und kostete geschätzt mehrere hundert Millionen Dollar. Das neue System nutzt Halbleiterspeicher, behält aber die bewährte Systemarchitektur bei. Der Grund für die Beibehaltung der alten Technik war nicht Geldmangel – das US-Militär hat reichlich Mittel. Der Grund war die erprobte Zuverlässigkeit und die Tatsache, dass ein System ohne Netzverbindung nicht aus der Ferne angegriffen werden kann.

Lehren aus dem US-Beispiel

Das Beispiel zeigt mehrere wichtige Punkte: Erstens kann selbst die mächtigste Macht der Welt jahrzehntelang auf veraltete Technik setzen, wenn sie zuverlässig ist. Zweitens ist die Ablösung von Altsystemen selbst mit unbegrenzten Mitteln ein langwieriger Vorgang. Drittens kann veraltete Technik in bestimmten Zusammenhängen Sicherheitsvorteile bieten.

Deutsche Marine: F123-Fregatten

Die Fregatten der Brandenburg-Klasse (F123) der Deutschen Marine nutzten bis 2024 8-Zoll-Disketten für ihre Datenerfassungssysteme. Die Schiffe wurden in den 1990er Jahren gebaut und sind noch bis mindestens 2030 im Einsatz. Die Marine schrieb 2024 die Erneuerung der betroffenen Systeme aus – ein Vorhaben, das Jahre dauern und Millionen kosten wird. Mehr dazu auf unserer Seite zur Schifffahrt.

Boeing 747: Programmaktualisierungen

Ältere Boeing 747 erhalten Programmaktualisierungen für bestimmte Bordsysteme noch auf 3,5-Zoll-Disketten. Die Flugzeuge wurden für diese Schnittstelle gebaut, und eine Änderung würde umfangreiche Zulassungsverfahren erfordern. Solange die Schnittstelle zuverlässig funktioniert, besteht kein zwingender Grund zur Ablösung. Mehr dazu auf unserer Seite zur Luftfahrt.

Japanische Behörden: 1.034 Vorschriften

Bis Juni 2024 schrieben über tausend japanische Vorschriften die Nutzung von Disketten für Behördenvorgänge vor. Bürger mussten Anträge auf Diskette einreichen, Behörden Bescheide auf Diskette ausgeben. Die Digitalbehörde benötigte zwei Jahre, um alle Vorschriften zu ändern – ein Beispiel dafür, wie rechtliche Vorgaben Technikwandel bremsen können.

San Francisco U-Bahn: MS-DOS-System

Das Steuerungssystem der U-Bahn von San Francisco (BART) läuft auf einem MS-DOS-basierten System, das Disketten für bestimmte Wartungs- und Aktualisierungsvorgänge nutzt. Die Anlage wurde in den 1970er Jahren gebaut und seitdem nur behutsam erneuert. Eine vollständige Erneuerung würde den Betrieb für Monate unterbrechen und Milliarden kosten.

Musikgeräte und Synthesizer

Eine oft übersehene Gruppe von Disketten-Nutzern sind Musiker und Tonstudios. Klassische Synthesizer und Klangabtaster aus den 1980er und 1990er Jahren – Yamaha, Roland, Akai, Ensoniq und viele andere – nutzen Disketten für Klangbibliotheken, Einstellungen und Aufnahmen. Diese Geräte werden bis heute für ihren besonderen Klang geschätzt und sind in professionellen Tonstudios im Einsatz.

Für Musiker sind Disketten-Nachahmer wie HxC oder Gotek eine Rettung. Sie ermöglichen den Weiterbetrieb geschätzter Geräte ohne die Sorge um verschleißende Disketten oder knapper werdende Ersatzlaufwerke. Die HxC-Gemeinschaft hat umfangreiche Kompatibilitätslisten erstellt und Anleitungen für hunderte von Musikgeräten verfasst.

Der besondere Wert alter Technik

Im Musikbereich zeigt sich ein interessantes Muster: Alte Technik wird nicht nur aus Not weiterverwendet, sondern aktiv gesucht. Der "analoge Klang" alter Synthesizer lässt sich mit digitaler Technik nur annähern, nicht nachbilden. Tonstudios zahlen hohe Preise für gepflegte Altgeräte. Das zeigt, dass "veraltet" nicht gleichbedeutend mit "wertlos" ist – im Gegenteil kann alte Technik Eigenschaften haben, die neue Technik nicht bietet.

Zukunftsaussichten: Wie geht es weiter?

Die schrittweise Ablösung von Disketten wird noch Jahre dauern. Disketten-Nachahmer und natürliche Erneuerungszyklen werden den Übergang gestalten.

Eine Generation bis zur vollständigen Ablösung

Fachleute schätzen, dass eine vollständige Ablösung aller Disketten-Systeme noch "eine Generation" dauern wird – also etwa 20-30 Jahre. Der Grund sind die langen Lebenszyklen von Betriebstechnik: Ein Schiff, das heute gebaut wird, kann 2055 noch im Einsatz sein. Eine Werkzeugmaschine, die 2010 aufgestellt wurde, kann bis 2040 laufen.

Die Ablösung erfolgt daher nicht durch gezielten Austausch, sondern durch natürliche Erneuerung. Wenn eine Anlage das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und ersetzt wird, verschwindet auch die Diskette. Bis dahin sorgen Disketten-Nachahmer dafür, dass Ersatzteil-Engpässe die Betriebsbereitschaft nicht gefährden.

Treiber der Erneuerung

Verschiedene Kräfte beschleunigen oder verlangsamen die Erneuerung:

  • Behördliche Vorgaben: Neue Vorschriften zur Netzsicherheit wie die IACS-Regeln in der Schifffahrt können Erneuerungen erzwingen.
  • Ersatzteil-Verfügbarkeit: Wenn Laufwerke und Disketten nicht mehr beschaffbar sind, werden Nachahmer oder Ablösung nötig.
  • Fachkräftemangel: Wenn niemand mehr die alten Systeme warten kann, müssen sie ersetzt werden.
  • Wirtschaftlichkeit: Wenn Wartung teurer wird als Ersatz, erfolgt Erneuerung.
  • Sicherheitsvorfälle: Nach einem Vorfall steigt der Druck zur Erneuerung.

Bremser der Erneuerung

Andererseits wirken Kräfte, die den Status quo erhalten:

  • Zulassungshürden: In Luftfahrt und Medizintechnik dauern Zulassungen Jahre.
  • Stillstandskosten: Jede Erneuerung bedeutet Stillstand – in der Fertigung kann das tausende Euro pro Stunde kosten.
  • Funktionierendes System: "Never change a running system" ist ein starkes Argument.
  • Fehlende Unterlagen: Ohne Beschreibung ist Erneuerung schwierig.
  • Wirtschaftlichkeit: Bei kurzer Restlaufzeit lohnt sich Erneuerung nicht.

Die Rolle der Disketten-Nachahmer

Disketten-Nachahmer wie Gotek und HxC werden eine Schlüsselrolle beim Übergang spielen. Sie ermöglichen den Weiterbetrieb von Altsystemen, ohne körperliche Disketten zu benötigen. Das löst das Beschaffungsproblem und verbessert gleichzeitig die Zuverlässigkeit. Für viele Anwendungen in der Fertigung sind sie bereits die Regellösung geworden.

Nachhaltige Entsorgung

Mit der schrittweisen Ablösung fallen immer mehr alte Disketten an, die fachgerecht entsorgt werden müssen. Das DISKETTENWERK nimmt diese Datenträger entgegen, löscht Daten sicher und führt brauchbare Stücke der Wiederverwendung zu. So bleibt der Kreislauf geschlossen: Funktionierende Disketten gehen an Betreiber, die sie noch brauchen, defekte werden umweltgerecht verwertet.

Praktische Hinweise für Betreiber

Wer Altsysteme mit Disketten betreibt, steht vor praktischen Herausforderungen. Hier sind bewährte Vorgehensweisen.

Beschaffung und Lagerung von Disketten

Da neue Disketten kaum noch hergestellt werden, müssen Betreiber andere Wege finden:

  • Restbestände: Bei Fachhändlern und auf Versteigerungsplattformen finden sich noch Lagerbestände. Die Qualität schwankt – Vorsicht bei Angeboten, die zu günstig erscheinen.
  • Wiederverwendung: Das DISKETTENWERK und andere Anbieter prüfen eingesandte Disketten und bieten funktionierende Stücke wieder an.
  • Disketten-Nachahmer: Die dauerhafte Lösung für die meisten Anwendungen. Einmal eingebaut, entfällt das Beschaffungsproblem.

Für die Lagerung gilt: kühl, trocken, magnetfeldfrei. Disketten sollten senkrecht stehen, nicht liegend gestapelt werden. Regelmäßige Prüfung durch Lesen und Zurückschreiben verlängert die Haltbarkeit. Wichtige Daten sollten auf mehreren Disketten gespeichert und regelmäßig kopiert werden.

Umgang mit defekten Disketten

Wenn eine Diskette Lesefehler zeigt, ist schnelles Handeln gefragt. Oft können Daten noch teilweise gerettet werden, bevor der Schaden fortschreitet. Spezialisierte Datenrettungsdienste können auch von stark beschädigten Disketten noch Daten auslesen. Das ist teuer, aber bei kritischen Daten oft die einzige Möglichkeit.

Defekte Disketten sollten nicht wiederverwendet werden – einmal beschädigte Datenträger sind unzuverlässig. Sie können dem DISKETTENWERK zur fachgerechten Entsorgung eingesandt werden.

Wartung von Diskettenlaufwerken

Diskettenlaufwerke sind mechanische Geräte mit Verschleißteilen. Die Schreib-/Leseköpfe verschmutzen, Riemen altern, Motoren verschleißen. Regelmäßige Reinigung der Köpfe mit geeigneten Reinigungsdisketten verlängert die Lebensdauer. Bei starker Nutzung sollten Laufwerke alle paar Jahre ausgetauscht werden, bevor sie ausfallen. Ersatzlaufwerke sind noch erhältlich, werden aber seltener.

Dokumentation und Wissenserhalt

Viele Altsysteme sind nur unzureichend beschrieben. Wer ein solches System betreibt, sollte das vorhandene Wissen erfassen, bevor die Fachleute in Ruhestand gehen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Fotos und Videoaufnahmen sind wertvolle Hilfsmittel für künftige Wartungen. Das gilt besonders für herstellereigene Formate, die von außen schwer zu verstehen sind.

Geschichte der Diskette und ihres Erbes

1971
IBM führt die erste 8-Zoll-Diskette ein. Das System 370 nutzt sie für Kleinstprogramm-Aktualisierungen. Die Diskette ermöglicht erstmals einfachen Datenaustausch zwischen Rechnern ohne Magnetbänder.
1976
Die 5,25-Zoll-Größe erscheint. Sie wird zum Maßstab für Einzelrechner und ist handlicher als die 8-Zoll-Größe. Apple II und IBM PC verbreiten die Größe weltweit. Fertigungsanlagen dieser Zeit werden mit 5,25-Zoll-Laufwerken ausgestattet.
1981
Sony führt die 3,5-Zoll-Größe ein. Das widerstandsfähigere Gehäuse mit Metallschieber wird zur langlebigsten Diskettengröße. Sie erreicht später 1,44 MB Speichervermögen und wird zum weltweiten Maßstab.
1980er-1990er
Goldenes Zeitalter der Diskette. Sie wird zum allgemeinen Datenaustauschträger. Fertigungsanlagen, medizinische Geräte, Schiffselektronik und Bordsysteme dieser Zeit nutzen Disketten – viele dieser Systeme sind heute noch in Betrieb.
1998-2003
Silberscheiben, USB-Speichersticks und Netze lösen die Diskette im Verbraucherbereich ab. Apple entfernt das Diskettenlaufwerk aus dem iMac (1998). Die meisten neuen Rechner werden ohne Diskettenlaufwerk ausgeliefert. In der Betriebstechnik bleibt die Diskette aber wichtig.
2006
Das HxC-Diskettennachahmer-Vorhaben startet. Es wird zur anerkannten Lösung für den Ersatz von Diskettenlaufwerken in Altrechnern, Musikgeräten und Fertigungsanwendungen. Die Gemeinschaft wächst schnell.
2011
Sony stellt als letzter großer Hersteller die Fertigung von 3,5-Zoll-Disketten ein. Nur noch Restbestände und besondere Kleinmengen sind verfügbar. Das Beschaffungsproblem für Altsysteme verschärft sich.
2019
Das US-Militär ersetzt die 8-Zoll-Disketten in seinem Interkontinentalraketen-Befehlssystem durch Halbleiterspeicher. Das System war seit den 1970er Jahren auf Disketten angewiesen. Der Wechsel dauerte Jahre und kostete Millionen.
2022
Japans Digitalminister Taro Kono "erklärt der Diskette den Krieg". Er leitet eine umfassende Prüfung aller Behördenvorschriften ein, die körperliche Datenträger vorschreiben. 1.894 Vorschriften werden ermittelt.
Juni 2024
Japan erklärt den Kampf gegen Disketten für gewonnen. Alle 1.034 Disketten-Vorschriften wurden abgeschafft. Die Deutsche Marine schreibt die Erneuerung der Disketten-Systeme auf F123-Fregatten aus.
Juli 2024
Neue IACS-Netzsicherheitsvorgaben für Seeschiffsneubauten treten in Kraft. Altsysteme auf Bestandsschiffen sind nicht unmittelbar betroffen, aber die Branche rüstet schrittweise nach. Die Schifffahrt bereitet sich auf strengere Vorgaben vor.
2025 und darüber hinaus
Schrittweise Ablösung parallel zur natürlichen Erneuerung von Anlagen, Schiffen, Flugzeugen und Medizingeräten. Disketten-Nachahmer ermöglichen den Weiterbetrieb von Altsystemen ohne körperliche Disketten. Eine vollständige Ablösung wird laut Fachleuten noch "eine Generation" dauern.

Übliche Einsatzzusammenhänge für Disketten

Disketten werden in Altumgebungen für klar abgegrenzte Aufgaben eingesetzt. Sie sind nicht Teil des täglichen Datenaustauschs, sondern Werkzeuge für besondere Vorgänge:

  • Wartung und Kundendienst: Prüfprogramme, Programmaktualisierungen, Eichdaten für Kundendiensttechniker. Der Techniker bringt die Diskette mit, spielt sie ein und nimmt sie wieder mit.
  • Einstellung und Einrichtung: Übertragung von Maschineneinstellwerten, Rezepturen, Fertigungsprogrammen. In der Fertigung werden so CNC-Programme in Maschinen geladen.
  • Prüf- und Untersuchungssysteme: Besondere Prüfgeräte in Werften, Flugzeugwartung, Krankenhäusern. In der Medizintechnik werden damit Geräte geeicht.
  • Aufbewahrungs- und Schulungsumgebungen: Geschichtliche Datenbestände, Schulungssysteme für ältere Technik. Manchmal müssen alte Daten aus Archiven wiederhergestellt werden.
  • Werkstatt- und Kundendiensteinrichtungen: Ältere Prüf- und Programmiergeräte bei Händlern und Kundendienstpartnern. In der Luftfahrt haben Wartungsbetriebe oft spezialisierte Ausrüstung.

Abgrenzung zum heutigen Alltag

Disketten spielen im heutigen Alltag, in Büro-EDV oder bei Verbrauchern keine Rolle mehr. Seit 2011 werden keine 3,5-Zoll-Disketten mehr von großen Herstellern gefertigt. Neue Rechner haben seit über 15 Jahren keine eingebauten Diskettenlaufwerke mehr. Die Nutzung beschränkt sich auf besondere technische Altumgebungen und ist kein Zeichen allgemeiner technischer Bedeutung.

Diese klare Abgrenzung ist wichtig: Disketten sind keine "vergessene Technik", die plötzlich wiederentdeckt wird. Sie sind auch kein Zeichen von Rückständigkeit oder Vernachlässigung. Sie sind schlicht Teil von Systemen, die aus guten Gründen noch im Einsatz sind – und die Disketten nutzen, weil sie so gebaut wurden.

Werden Disketten aus alten Systemen ausgemustert, ist eine fachgerechte Entsorgung mit sicherer Datenlöschung erforderlich. Das DISKETTENWERK prüft eingesandte Disketten, löscht Daten sicher nach anerkannten Verfahren und führt brauchbare Datenträger der Wiederverwendung zu – oder entsorgt sie umweltgerecht.

Datensicherheit bei Disketten

Obwohl Disketten keine zeitgemäße Verschlüsselung bieten, haben sie besondere Sicherheitseigenschaften, die in bestimmten Zusammenhängen geschätzt werden.

Körperliche Sicherheit als Grundprinzip

Bei Disketten-Systemen beruht Sicherheit auf körperlicher Steuerung statt auf Verschlüsselung oder Netzwerkschranken. Wer die Diskette hat, hat die Daten. Wer keinen Zugang zur Diskette hat, kann die Daten nicht erreichen – unabhängig von Programmierkenntnissen oder Einbruchswerkzeugen.

Dieses Grundprinzip ist einfacher als zeitgemäße Netzsicherheit, aber in vielen Zusammenhängen genauso wirksam. Ein Kernkraftwerk muss sich nicht um Erpressungsprogramme sorgen, wenn die Steuerungssysteme keine Netzverbindung haben. Eine Fertigungsanlage muss keinen Eindringling fürchten, wenn die Werkzeugmaschine nur über eine Diskette angesprochen werden kann, die im Tresor liegt.

Die Kehrseite: Körperliche Gefahren

Natürlich hat körperliche Sicherheit auch Nachteile: Disketten können gestohlen werden, sie können verloren gehen, sie können beschädigt oder zerstört werden. Brand, Wasser, Magnetfelder – alles kann Disketten vernichten. Und körperlicher Zugang ermöglicht Eingriffe, die über das Netz nicht möglich wären.

Daher erfordert ein sicheres Disketten-System ergänzende Maßnahmen: Tresore für wichtige Disketten, Zugangssteuerung zu Räumen mit Diskettenlaufwerken, Buchführung über Disketten-Bewegungen, regelmäßige Prüfung und Vervielfältigung. Diese Maßnahmen sind oft einfacher umzusetzen als verschachtelte Netz-Schutzbauten, erfordern aber Sorgfalt und Durchhaltevermögen.

Sichere Datenlöschung

Wenn Disketten ausgemustert werden, müssen die darauf gespeicherten Daten sicher gelöscht werden. Einfaches Löschen oder Neuformatieren reicht nicht – Daten können oft noch ausgelesen werden. Das DISKETTENWERK nutzt anerkannte Verfahren zur sicheren Datenlöschung, die eine Wiederherstellung unmöglich machen. Für vertrauliche Daten ist das unerlässlich.

Datenaufbewahrung

Disketten sind keine geeigneten Langzeitarchive. Die magnetische Schicht altert, die Daten verblassen. Für Archivierungszwecke sollten Daten von Disketten auf zeitgemäße Träger übertragen werden. Das gilt besonders für alte Unterlagen aus der Medizintechnik oder Luftfahrt, die teilweise jahrzehntelang aufbewahrt werden müssen.

Technische Vertiefung: Wie Disketten arbeiten

Für technisch Interessierte: Wie speichern Disketten Daten, und warum sind herstellereigene Formate so schwer auszutauschen?

Das Grundprinzip magnetischer Speicherung

Disketten speichern Daten durch magnetische Ausrichtung einer dünnen Schicht auf einer kreisförmigen Kunststoffscheibe. Ein Schreib-/Lesekopf erzeugt oder liest magnetische Muster, während die Scheibe unter ihm kreist. Die Daten sind in kreisförmigen Spuren angeordnet, jede Spur ist in Abschnitte unterteilt.

Dieses Grundprinzip ist bei allen Disketten gleich. Die Unterschiede liegen in den Einzelheiten: Wie viele Spuren pro Seite? Wie viele Abschnitte pro Spur? Wie dicht liegen die magnetischen Übergänge? Wie sind die Daten in den Abschnitten angeordnet? Diese Einzelheiten bestimmen die Speichermenge und – wichtig – die Austauschbarkeit.

Einheitsformate und herstellereigene Formate

Einheits-IBM-PC-Disketten im 3,5-Zoll-Format nutzen 80 Spuren pro Seite, 18 Abschnitte pro Spur bei hoher Dichte, und ein festgelegtes Dateisystem (FAT). Diese Disketten können von jedem IBM-ähnlichen Rechner gelesen werden – das ist der Sinn eines Einheitsformats.

Viele Fertigungssysteme und Musikgeräte nutzen jedoch herstellereigene Formate: andere Spurzahlen, andere Abschnittgrößen, andere Dateisysteme. Ein Akai-Klangabtaster speichert Klänge in einem Format, das ein Roland-Klangerzeuger nicht lesen kann. Eine Mazak-Fräse nutzt ein Format, das eine Fanuc-Steuerung nicht versteht. Das ist kein Fehler, sondern Absicht: Jeder Hersteller hat sein Format für seine Zwecke angepasst.

Warum herstellereigene Formate?

Herstellereigene Formate haben Vorteile: Sie können für die Anwendung angepasst sein, sie können Schutzmerkmale enthalten, sie können mehr Daten auf weniger Platz speichern. Sie haben aber auch Nachteile: Datenaustausch mit anderen Systemen ist schwierig, Ersatzmaterial schwer zu bekommen, Datenrettung umständlich.

Für Betreiber bedeutet das: Ein Einheits-Rechner kann die Diskette einer herstellereigenen Steuerung nicht lesen. Das erschwert die Datensicherung, aber es schützt auch vor unbeabsichtigten Änderungen oder Schadprogrammen. Ein Schädling, der sich über Einheits-PC-Disketten verbreitet, kann eine herstellereigene Steuerung nicht befallen.

Zeitverhalten und Sofortverarbeitung

Viele Altsysteme, besonders in der Fertigung, arbeiten mit Sofortverarbeitung: Sie müssen innerhalb festgelegter Zeiträume auf Ereignisse antworten. Das Diskettenlaufwerk ist in diese Zeitsteuerung eingebunden. Ein Nachahmer muss nicht nur die richtigen Daten liefern, sondern auch zur richtigen Zeit. Das ist einer der Gründe, warum nicht jeder Nachahmer mit jedem System arbeitet.

Mechanische Eigenheiten

Diskettenlaufwerke sind mechanische Geräte mit mechanischen Eigenheiten: Motorgeschwindigkeit, Kopfbewegung, Spurausrichtung. Manche Altsysteme verlassen sich auf diese Eigenheiten – sie prüfen, ob die Diskette "richtig" kreist oder ob der Kopf "richtig" bewegt. Nachahmer müssen diese Eigenheiten manchmal nachbilden, um erkannt zu werden. Das ist eine der technischen Herausforderungen bei der Nachahmer-Entwicklung.

Rechtliche Gesichtspunkte

Altsysteme unterliegen oft besonderen rechtlichen Vorgaben, die Änderungen erschweren oder unmöglich machen.

Zulassungen und Freigaben

In behördlich überwachten Bereichen ist jede Änderung an zugelassenen Systemen selbst zulassungspflichtig. Das gilt besonders für:

  • Luftfahrt: Bordsysteme müssen von EASA (Europa) oder FAA (USA) zugelassen werden. Jede Programmänderung erfordert erneute Prüfung.
  • Medizintechnik: Medizingeräte unterliegen der Medizingeräteverordnung. Änderungen können eine erneute CE-Kennzeichnung erfordern.
  • Schifffahrt: Seefahrtsysteme werden von Güteprüfstellen wie DNV, Lloyd's oder Bureau Veritas überwacht. Änderungen erfordern deren Zustimmung.
  • Kernkraft: Kerntechnische Anlagen unterliegen besonders strengen Vorgaben. Jede Änderung muss von der Atomaufsicht genehmigt werden.

Diese Zulassungsverfahren sind aufwändig, teuer und zeitraubend. Ein Zulassungsverfahren in der Luftfahrt kann Jahre dauern und Millionen kosten. Das ist ein wesentlicher Grund, warum bewährte Systeme so lange im Einsatz bleiben.

Aufbewahrungspflichten

In manchen Bereichen gibt es Pflichten zur Aufbewahrung von Daten über Jahrzehnte. In der Medizintechnik müssen Krankenakten oft 30 Jahre aufbewahrt werden. In der Luftfahrt müssen Wartungsaufzeichnungen über die gesamte Lebensdauer des Flugzeugs verfügbar sein – das können 40+ Jahre sein.

Wenn diese Daten auf Disketten gespeichert sind, muss auch die Fähigkeit erhalten bleiben, sie zu lesen. Das kann bedeuten, dass alte Systeme nur für diesen Zweck im Betrieb bleiben – oder dass Daten aufwändig auf neue Träger übertragen werden müssen.

Haftungsfragen

Wer ein System ändert, übernimmt Verantwortung für die Folgen. Bei einem zugelassenen System liegt die Verantwortung beim Hersteller. Nach einer Änderung kann sie auf den Betreiber übergehen. In sicherheitswichtigen Bereichen wie Luftfahrt oder Medizintechnik ist das ein erhebliches Wagnis – ein Grund, warum Betreiber vor Änderungen zurückschrecken.

Vorschriftenwandel

Das Beispiel Japan zeigt, dass veraltete Technik manchmal nur deshalb im Einsatz bleibt, weil Vorschriften sie vorschreiben. Die Abschaffung der 1.034 Disketten-Vorschriften in Japan zeigt, dass rechtlicher Wandel möglich ist – aber er erfordert politischen Willen und Jahre der Arbeit. In vielen Ländern fehlt dieser Wandel noch.

Das DISKETTENWERK als Partner

Ob Entsorgung, Wiederverwendung oder Beratung – das DISKETTENWERK unterstützt Betreiber von Altsystemen.

Unsere Aufgaben

Das DISKETTENWERK ist deutschlandweit der Ansprechpartner für Disketten aus Altsystemen. Wir bieten:

  • Kostenlose Abholung: Wir holen Disketten deutschlandweit kostenlos ab. Egal ob einzelne Stücke oder ganze Paletten aus Altbeständen.
  • Fachgerechte Prüfung: Eingesandte Disketten werden auf Lesbarkeit und Brauchbarkeit geprüft. Funktionierende Stücke werden der Wiederverwendung zugeführt.
  • Sichere Datenlöschung: Daten werden nach anerkannten Verfahren sicher gelöscht. Auf Wunsch mit Bescheinigung.
  • Umweltgerechte Entsorgung: Defekte oder unbrauchbare Disketten werden fachgerecht verwertet. Das Gehäuse, die Metallteile, die magnetische Schicht – alles wird getrennt und dem Rohstoffkreislauf zugeführt.
  • Wiederverwendung: Brauchbare Disketten gehen an Betreiber von Altsystemen, die noch Bedarf haben. So bleibt der Kreislauf geschlossen.

Für wen wir arbeiten

Unsere Nutzer kommen aus allen Bereichen: Fertigungsbetriebe mit alten Werkzeugmaschinen, Krankenhäuser mit Altgeräten, Werften und Reedereien mit Schiffselektronik, Wartungsbetriebe der Luftfahrt, Musikstudios mit alten Klangerzeugern, Sammler und Altertumsforscher. Wir helfen allen, die Disketten loswerden oder beschaffen müssen.

Nachhaltigkeit

Unser Ansatz ist nachhaltig: Wiederverwendung vor Entsorgung. Eine funktionierende Diskette, die jemand noch braucht, ist wertvoller als Rohstoff. Erst wenn Wiederverwendung nicht möglich ist, erfolgt die Verwertung. So verlängern wir die Nutzungsdauer vorhandener Datenträger und verringern den Bedarf an Neuware – die ohnehin nicht mehr hergestellt wird.

Häufig gestellte Fragen

Warum werden Disketten nicht einfach ersetzt?
Der Austausch von Datenträgern kann umfangreiche Prüfungen, Unterlagen und Freigaben erfordern – besonders in behördlich überwachten Bereichen wie Luftfahrt, Medizintechnik oder Schifffahrt. Der Aufwand übersteigt oft den Nutzen, besonders wenn das System nur noch wenige Jahre Restlaufzeit hat. Hinzu kommen Kosten für neue Geräte, Schulung und mögliche Fertigungsausfälle während der Umstellung.
Sind Disketten-Systeme sicher?
Disketten haben keine Netzschnittstelle – sie sind vollständig geschützt vor Erpressungsprogrammen, Ferneindringung und Standorttäuschung. Sicherheit entsteht hier durch den gesteuerten Arbeitsablauf ohne Netzwerk und körperliche Zugangssteuerung, nicht durch Verschlüsselung. Diese Trennung vom Netz ist in vielen wichtigen Anwendungen ein bewusster Entwurfsentscheid. Allerdings sind Disketten anfällig für körperliche Beschädigung, Datenverlust durch Alterung und unbefugten körperlichen Zugriff.
Gibt es Ersatz für Disketten?
Für neue Systeme werden USB-Speichersticks, Speicherkarten, Netzschnittstellen oder Wolkenlösungen eingesetzt. Für bestehende Altsysteme bieten Disketten-Nachahmer wie Gotek oder HxC eine Brückentechnik: Sie ersetzen das körperliche Diskettenlaufwerk durch ein Gerät, das USB-Speichersticks oder Speicherkarten nutzt, ohne dass Änderungen an der Wirtsprogrammausstattung nötig sind. Diese Lösung ist für Werkzeugmaschinen, Musikgeräte und viele andere Anwendungen bewährt.
Wer nutzt Disketten heute noch?
Der Einsatz beschränkt sich auf bestimmte ältere Systeme in klar abgegrenzten technischen Umgebungen: ältere Werkzeugmaschinen und Fertigungssteuerungen, medizinische Geräte wie Ultraschall- oder Herzstromsysteme, Seesteuersysteme, Bordrechner-Systeme in älteren Flugzeugen, sowie Musiksynthesizer und Klangabtaster aus den 1980er-1990er Jahren.
Wie lange werden Altsysteme noch betrieben?
Der durchschnittliche Erneuerungszyklus in der Fertigung beträgt 15-20 Jahre. Über 70% der Fertigungsanlagen in Nordamerika sind älter als 20 Jahre. Flugzeuge, Schiffe und Kriegsschiffe haben Lebenszyklen von 25-40+ Jahren. Medizinische Geräte werden oft 10-20 Jahre betrieben. Eine vollständige Ablösung aller Altsysteme wird laut Fachleuten noch "eine Generation" dauern – die Erneuerung erfolgt schrittweise parallel zur natürlichen Erneuerung von Anlagen.
Was hat Japan 2024 mit Disketten gemacht?
Im Juni 2024 erklärte Japans Digitalminister Taro Kono den Kampf gegen Disketten amtlich für gewonnen. Die Digitalbehörde hatte alle 1.034 Vorschriften abgeschafft, die die Nutzung von Disketten für Behördenvorgänge vorschrieben. Die ursprüngliche Prüfung hatte 1.894 Vorschriften ermittelt, die körperliche Datenträger erforderten. Japan macht nun bei der Abschaffung von Fernkopierern weiter – die nächste "veraltete" Technik im Blick.
Was sind Disketten-Nachahmer?
Disketten-Nachahmer wie Gotek oder HxC ersetzen körperliche Diskettenlaufwerke durch elektronische Geräte, die USB-Speichersticks oder Speicherkarten als Träger nutzen. Sie ahmen die Disketten-Schnittstelle für das Wirtsystem nach – dieses "glaubt", es tauscht sich mit einem echten Diskettenlaufwerk aus. Die Daten werden auf zeitgemäßen, zuverlässigeren Trägern gespeichert. Mit zehntausenden eingebauten Einheiten ist das HxC-Vorhaben zur anerkannten Lösung für Werkzeugmaschinen, Musikgeräte und Fertigungsanwendungen geworden.
Werden Disketten noch hergestellt?
Sony stellte 2011 als letzter großer Hersteller die Fertigung von 3,5-Zoll-Disketten ein. Heute sind nur noch Restbestände und besondere Kleinmengen verfügbar. Das DISKETTENWERK bezieht Datenträger aus Lagerbeständen, prüft eingesandte Disketten auf Lesbarkeit und führt brauchbare Stücke der Wiederverwendung zu. Für wichtige Anwendungen empfehlen sich Disketten-Nachahmer als dauerhafte Lösung.
Welche Diskettengrößen gibt es?
Die gängigsten Größen sind: 3,5-Zoll (hohe Dichte, 1,44 MB) – die bekannteste Größe, 1981 von Sony eingeführt. 5,25-Zoll (hohe Dichte, 1,2 MB) – älter, noch in manchen Werkzeugmaschinen. 8-Zoll (bis 1,2 MB) – die älteste Größe aus den 1970er Jahren, bis 2019 im US-Kernwaffenkommando und bis 2024 auf deutschen Fregatten im Einsatz. In der Fertigung werden zusätzlich viele herstellereigene Formate mit unterschiedlichen Spurdichten und Dateisystemen verwendet.
Was ist der Unterschied zwischen Büro-EDV und Betriebstechnik?
Büro-EDV umfasst Bürorechner, Datenbanken und Netze – hier sind Erneuerungszyklen von 3-5 Jahren üblich. Betriebstechnik steuert greifbare Vorgänge: Maschinen, Fertigungsanlagen, Schiffssysteme, medizinische Geräte. Betriebstechnik hat oft Lebenszyklen von 15-30+ Jahren und unterliegt strengeren Änderungsvorgaben, da Fehler körperliche Folgen haben können. Die Disketten-Nutzung findet hauptsächlich in Betriebstechnik-Umgebungen statt.
Wie viele US-Behörden nutzen noch Altsysteme?
Laut US-Rechnungshof gibt es mindestens 11 wichtige Altsysteme in US-Bundesbehörden, die dringend erneuert werden müssten. Acht nutzen veraltete Programmiersprachen (COBOL, Maschinensprache), vier haben nicht mehr unterstützte Geräte, sieben weisen bekannte Sicherheitslücken auf. 80% des EDV-Haushalts der US-Regierung (über 100 Milliarden Dollar jährlich) fließt in die Pflege bestehender Systeme statt in Erneuerung.
Kann ich alte Disketten einsenden?
Ja. Das DISKETTENWERK nimmt Disketten aus alten Systemen, Wartungsbeständen oder Archiven entgegen. Wir prüfen sie fachgerecht, löschen Daten sicher nach anerkannten Verfahren und führen brauchbare Datenträger der Wiederverwendung zu – oder entsorgen sie umweltgerecht. Die Abholung ist deutschlandweit kostenlos. Hier geht's zum Abholschein.
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